Coronavirus

5 Lehren aus den Betriebsschließungen im Elektrohandel

Am 14. April geht zumindest für kleinere Handelsbetriebe die Zeit der Covid-19-Betriebsschließungen zu Ende. Welche Lehren lassen sich aus der Quarantäne-Zeit im Elektrohandel ziehen? Was sind die Folgen und wer sind die Bösen?

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Ab 14. April dürfen Geschäftslokale mit einer Verkaufsfläche von bis zu 400 Quadratmetern wieder eröffnen, sofern bestimmte Auflagen erfüllt werden: Durch Einlasskontrolle ist etwa sicherzustellen, dass sich nur ein Kunde je 20 Quadratmeter im Geschäft befindet. Kunden und Mitarbeiter müssen darüber hinaus einen Mund-Nasen-Schutz gegen Covid-19 tragen, regelmäßige Desinfektion ist sicherzustellen. Geschäfte mit Verkaufsflächen über 400 Quadratmetern folgen im Mai.

Die Phase der Corona Betriebsschließungen währte für kleinere Geschäfte damit von 16. März bis zur Osterzeit. Lange Wochen, die vielen wie Monate vorgekommen sein mögen. Welche Lehren lassen sich aus dieser Phase für den Elektrohandel ziehen?

1. Auch der Fachhandel kann vom Online-Geschäft profitieren.

Längst setzt auch der beratende Fachhandel auf das Online-Business. Wer den dafür nötigen Aufwand und die dazugehörige Logistik nicht selbst stemmt, holt sich Hilfe – etwa von seiner Kooperation. In einer Zeit, in der die Stationärgeschäfte gesperrt blieben, machten sich diese Aktivitäten bezahlt.

„Für unsere Mitglieder haben wir schon bisher ein Multichannel-Konzept verfolgt“, erläutert Expert-Geschäftsführer Alfred Kapfer. „Das Angebot über den Online-Shop umfasst dabei nicht nur Waren, sondern auch Dienstleistungen.“ Gerade der Artikelversand legt in der Coronakrise deutlich zu. Um den Onlinehandel zu forcieren, wurde seitens der Kooperation ein entsprechender werblicher Fokus gesetzt.

Versandt wird über das Zentrallager im Namen des Händlers. Kapfer: „Wir haben Vorkehrungen getroffen, damit die Auslieferung jederzeit gesichert bleibt.“ Da durch die zunehmenden Online-Bestellungen häufig einzelne Artikel kommissioniert werden, ist die Lagermannschaft auch in der Corona Zeit gut beschäftigt. Was im Lebensmittelhandel das Klopapier ist, sind für den Elektrohändler die Fieberthermometer. Deren Nachfrage ist regelrecht explodiert.

2. Die Rolle des Nahversorgers steht dem Fachhandel gut.

„Die Republik braucht uns Elektrotechniker und Elektrotechnikerinnen in diesen Tagen!“ – Mit diesem dramatischen Aufruf wandte sich Bundesinnungsmeister Andreas Wirth zu Beginn der Regierungsmaßnahmen gegen Covid-19 an die Branche. Dasselbe gilt für die Elektrohändler und Elektrohändlerinnen, die in der Praxis häufig in Personalunion zu den genannten Elektrikern stehen. 

Im Fall des Elektrohandels geht es dabei jedoch nicht um die Aufrechterhaltung der Stromversorgung. Vielmehr wird dieser gebraucht, um die Menschen mit zum Teil lebensnotwendigen Gütern zu versorgen. Zu solchen sind Herd und Kühlschrank heutzutage zu zählen.

„Unsere Mitglieder haben die Versorgung der regionalen Bevölkerung während der Schließungsphase immer wahrgenommen“, weiß Expert-Chef Kapfer. „Fast alle verrichteten Lieferservices und brachten die Ware – so wie gesetzlich erlaubt – bis vor die Haustür. So kamen sie ihrer Nahversorgerrolle nach.“ Die Erfüllung dieser wichtigen Funktion wird vom Kunden hoffentlich auch goutiert, wenn wieder Normalität einkehrt in Österreich. Ein klarer Bonus gegenüber Amazon und Co.

Unterstützung gab es dabei auch von der Wirtschaftskammer, die kürzlich die Plattform „Regional einkaufen – Österreich bringt’s!“ startete. Unternehmer wie etwa auch Elektrohändler können sich hier kostenfrei als Lieferdienstleister zertifizieren. „Damit helfen wir, Wertschöpfung in Österreich zu halten“, meint WKO-Präsident Harald Mahrer zur Zielsetzung.

3. Auch Einzelkämpfer brauchen eine starke Gemeinschaft.

Gerade in Krisenzeiten zeigt sich die Stärke einer Gemeinschaft. Die heimischen Kooperationen ließen den Fachhandel in den letzten Wochen nicht im Stich: Erweiterte Leistungen reichten vom kostenlosen Versand der Zentrallager-Produkte bis hin zu verdoppelten Zahlungsfristen.

Auch der Großhandel war in seiner Versorgungsfunktion gefordert. „Als Partner des Elektrohandels sichern wir seit Anbeginn der Krise weiter die Warenversorgung“, so Robert Pfarrwaller in seiner Funktion als Vorsitzender des Fachausschusses Elektrogroßhandel. Der Rexel-Geschäftsführer weiß auch, dass der österreichische Elektrohandel gerade in der jetzigen Zeit behördlicher Restriktionen durch eine besondere schwierige Phase geht.

Der Zusammenhalt innerhalb der Branche drückt sich auch im Entgegenkommen durch die Lieferanten aus. Viele Partner verlängerten Zahlungsziele zur Schaffung von Liquidität oder zeigten sich – wenn nötig – kulant. „Als Industrie haben wir großes Interesse an einem gesunden Fachhandel“, erklärt ein Industriepartner. „Das beinhaltet eben auch, dass man dann hilft, wenn es gerade zwickt.“

4. Ist der Lebensmittelhandel der gemeinsame Gegner?

Sonst gehen die Fronten quer durch die Elektrobranche: mittelständischer Fachhandel gegen Großfläche, Stationär- gegen Onlinehandel, Grün gegen Magenta gegen Orange (die Farben der Kooperationen). Nun, da der Lebensmittelhandel die Zeit der Betriebsschließungen nutzt, um am Umsatzkuchen des Elektrohandels zu naschen, scheinen diese alten Gegnerschaften fast vergessen.

Empört zeigt sich Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik: „Der Lebensmittelhandel will offenbar nicht wahrhaben, wie es uns geht. Während andere Branchen nicht aufsperren dürfen und um ihre Existenz fürchten müssen, reden Vertreter der Lebensmittelketten über möglichen Einbußen im Ostergeschäft.“

Die Forderungen des Bundesgremiums sind daher eindeutig: Werbung für Elektroartikel durch den Lebensmittelhandel ist sofort einzustellen, die Artikel sind ebenso wie Plakate mit Aktionsankündigungen auf der Stelle aus allen Filialen zu entfernen. Die Manager der Lebensmittelketten haben die Botschaft verstanden – bis auf das Wörtchen „sofort“: Wie mittlerweile kommuniziert wurde, sollen nach dem Karsamstag keine sogenannten Non-Food-Produkte mehr angeboten werden. Also ausgerechnet dann, wenn Elektrogeschäfte mit einer Verkaufsfläche von unter 400 Quadratmetern ohnehin wieder öffnen dürfen.

5. Es wird schwer, aber es ist zu schaffen!

Auch wenn Österreich nun langsam wieder „hochgefahren“ werden soll, wird es schwer werden, auf Betriebstemperatur zu kommen. Zu viel an Umsatz ist verloren gegangen. Laut Schätzungen der Johannes-Kepler-Universität führte das Zusperren der Geschäfte über alle Branchen hinweg zu täglichen Verlusten von 110 Millionen Euro. Bis Ostern beläuft sich die Summe somit auf 2,6 Milliarden Euro, wovon rund 270 Millionen auf den Elektrohandel entfallen. Wer inzwischen seinen Kaffeeautomaten oder eine neue Küchenmaschine bei Billa oder Spar gekauft hat, wird sich im Elektrogeschäft keine zweite beschaffen.

Wichtig in der Coronakrise ist, wo benötigt, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Über Wege zu mehr Liquidität, Kurzarbeit, Härtefonds und andere Unterstützungsmaßnahmen hält Elektropraxis.at daher auf dem Laufenden.