5 WICHTIGE PUNKTE FÜR ELEKTRIKER

Das braucht die Elektrotechnik in Zeiten von Covid-19

80 Prozent der Tätigkeiten der Elektrotechniker laufen wieder im Normalbetrieb. Umsatzeinbrüche durch Corona könnten jedoch auch noch mit Zeitverzögerung auf die Elektriker zukommen. Wie das zu vermeiden ist, erläutert Andreas Wirth (Bundesgremium) im Gespräch mit ELEKTROPRAXIS.

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Andreas Wirth (Bundesgremium): „Gegen Corona wird man eine Impfung finden. Für das Klima gibt es keine Impfung.“

Österreichs Elektriker haben ereignisreiche Wochen hinter sich, die die Nerven und die wirtschaftliche Stabilität des eigenen Unternehmens gleichermaßen auf eine harte Belastungsprobe stellten. „Corona hat die Welt im Griff und bringt uns privat wie beruflich an die Grenzen“, stellt Andreas Wirth fest. Im Gespräch mit ELEKTROPRAXIS erörterte der Bundesgremialobmann die Prioritäten für die kommenden Wochen – von Klimaschutz bis Lehre.

1. Covid-19 Regeln für Baustellen unbedingt einhalten

Als Funktionär im Bundesgremium und Unternehmer ist Wirth froh darüber, dass bei der Abwicklung von Baustellen eine Regelung erkämpft werden konnte. Damit herrscht Rechtssicherheit. Ohne Baustellentätigkeit ruht naturgemäß auch die Arbeit der nachgelagerten Gewerke. „Wird kein Fundament gelegt, kann der Elektrotechniker keinen Blitzschutz installieren. Und wo es noch keine Decke gibt, lassen sich auch keine Schläuche legen.“

Klar formuliert sind die Sicherheitsrichtlinien gegen Covid-19 für den Bau. Die Innung stellt die Informationen dazu in übersichtlicher Form zur Verfügung. Wichtig ist, die Regelungen konsequent einzuhalten. Vor allem im Sinne der eigenen Sicherheit und Gesundheit.

Wirth verweist auf die empfindlichen Strafen, die bei Zuwiderhandeln verhängt werden. Aufträge können eingezogen werden. Der Strafrahmen bei Verstößen reicht bis 3.600 Euro. Einzelne Fälle zeigen, dass dieser auch durchaus ausgeschöpft wird.

2. Auf den Klimaschutz nicht vergessen

„Gegen Corona wird man eine Impfung finden. Für das Klima gibt es keine Impfung!“, sagt Andreas Wirth. Als das Regierungsprogramm vor wenigen Monaten präsentiert wurde, ging es noch ganz stark um Maßnahmen zum Klimaschutz sowie um Förderungen und Anreize zur nachhaltigen Reduktion der CO2-Emissionen.

Gegenwärtig konzentrieren sich die öffentliche Wahrnehmung und die politische Diskussion auf die Coronakrise. Dass Covid-19 über weite Strecken Medien und Politik beherrscht, ist nachvollziehbar. Auf den Klimaschutz dürfe dennoch nicht vergessen werden, mahnt der Bundesgremialobmann: „Die Nachfrage nach Photovoltaik Lösungen wird wieder anziehen. Spätestens dann, wenn der neue KLIEN-Fonds dafür in Anspruch genommen werden kann.“

3. Die Wirtschaft als Gesamtsystem sehen

Für das kurzfristige Funktionieren der Wirtschaft und Gesellschaft mag es bestimmter Schlüsselbranchen besonders dringend bedürfen. Gerade in der jüngsten Vergangenheit war etwa der Elektrotechniker verstärkt gefragt, um Störungsdienste zu leisten und zur Aufrechterhaltung der Stromversorgung beizutragen.

Mittel- und langfristig braucht es alle Bereiche für ein funktionierendes Wirtschaftssystem. „Im Vergleich zur Gastronomie oder zum Handel sind die Elektriker mit einem blauen Auge davongekommen“, meint Wirth. „Zu befürchten ist jedoch, dass Auftragseinbrüche zum Teil zeitverzögert auftreten.“

Der Gremialchef denkt dabei etwa an die Hotellerie, die insbesondere im Westen Österreichs viel in Umbauten und Sanierungen investiert. Im Schnitt belaufen sich diese Investitionen auf 860 Millionen Euro im Jahr. Kommen die Hotels ins Trudeln, wankt daher auch das Gewerbe.

Um mögliche Einbrüche zumindest ein wenig zu kompensieren, hofft Wirth auf öffentliche Auftraggeber. Bund, Länder und Gemeinden sollten bevorstehende Investitionen wie die Sanierung von Anlagen im Interesse der Gesamtwirtschaft vorziehen.

4. Helfen, wo es notwendig ist

Rasch reagiert hat die Regierung mit Unterstützungsmaßnahmen für betroffene Betriebe. Andreas Wirth: „Das Kurzarbeitsmodell ist ein super Konzept, das in kürzester Zeit auf die Beine gestellt wurde.“ Auch er selbst macht als Unternehmer davon Gebrauch. Wobei Elektro Wirth schon fast wieder im Normalbetrieb läuft. Ebenso wie ein großer Teil der Branche – so die Einschätzung des Funktionärs: „Die Zahlen zur Kurzarbeit erheben wir gerade. Ich würde aber schätzen, dass 80 Prozent der Tätigkeiten der Elektrotechniker wieder wie vor der Krise durchgeführt werden.“

Das gilt gerade für viele EPU, die schnell ihre gewohnte Arbeit aufnehmen konnten. Bei Betrieben ohne Einkommen ist durch den Härtefonds vorerst für das Notwendigste gesorgt. Am prekärsten ist die Situation zurzeit noch für Großbetriebe. Ein neunköpfiger Baustellen-Einsatz bleibt – schon im Hinblick auf die Anfahrt – schwierig.

Schlimm erwischt hat es die zum Bundesgremium gehörigen Beleuchter und Beschaller. Der Umsatzverlust beträgt 100 Prozent. „Ich kämpfe für eine Lösung!“, verspricht Wirth. Vorstellbar wäre etwa eine Vermittlung der hier tätigen Fachkräfte an Elektrotechnik-Betriebe – beispielsweise als Unterstützung bei der Montage von Photovoltaik Anlagen, sobald die Auftragslage in diesem Bereich wieder anzieht.

5. Das langfristige Ziel im Augen behalten

Um die Branche schnell auf Betriebstemperatur zu bringen, müssen sich alle Beteiligten an der Wertschöpfungskette einbringen – ob Elektriker, Großhandel oder Industrie. Wirth ortet viel Unterstützung durch die Lieferanten in Zeiten von Corona – sei es mit kostenloser Belieferung oder verlängerten Zahlungszielen. Der nächste Schritt aus seiner Sicht: „Um den Motor zum Schnurren zu bringen, braucht es gemeinsame werbliche Aktivitäten. Wir müssen potenzielle Häuslbauer und Sanierer ermutigen, in nächster Zukunft in ihr Eigenheim zu investieren.“