Energieerzeugung

Dekarbonisierung wirkt: Verbund steigert Ergebnis im ersten Halbjahr

Dem Konzern spielen vor allem zwei Faktoren in die Hände: Die gestiegenen Energiepreise sowie der europaweite Umstieg von Kohle zu Gas bei der Stromerzeugung. Das brachte ein Plus von 4,7 Prozent - und trieb auch den Aktienkurs in die Höhe.

Das Verbund-Ergebnis entwickelte sich in den ersten beiden Quartalen des Jahres positiv: Das bereinigte Konzernergebnis stieg um 4,7 Prozent auf 315 Mio. Euro. Das liegt vor allem an den verbesserten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Vor allem die Preise für europäische CO2-Zertifikate, die für den Umstieg von CO2 intensiver Kohleverstromung zu CO2 ärmerer Gasverstromung entscheidend sind, und die Preise für Primärenergieträger, die den Großhandelspreis für Strom in Europa bestimmen, erhöhten sich im Berichtszeitraum deutlich. Die nachhaltige Positionierung des Konzerns über alle Segmente hinweg fügt sich damit nahtlos und gewinnträchtig in die zunehmend ambitionierten Dekarbonisierungsziele des Energiesektors innerhalb der EU und Österreichs ein. Auf Basis einer durchschnittlichen Eigenerzeugung aus Wasser- und Windkraft für das zweite Halbjahr sowie der Chancen- und Risikolage wird für das gesamte Geschäftsjahr 2021 ein Konzernergebnis zwischen 590 und 660 Mio. Euro erwartet.

Der Kurs der Verbund Aktie erreichte mit 77,7 Euro per 30. Juni 2021 ein Plus von 11,2 Prozent. Der Wert des Gesamtkonzerns, gemessen an der Marktkapitalisierung, betrug damit am Ende Juni 2021 27 Mrd. Euro. Damit ist der Konzern mit Abstand die Nummer 1 im ATX und einer der größten Versorger in Europa.

EAG als Treiber

Die Entwicklungen im energiewirtschaftlichen Umfeld kommen dem Geschäftsmodell des Verbund sehr entgegen. Als Wasserkrafterzeuger mit einem steigenden Anteil an neuen Erneuerbaren sieht sich der Konzern bestens positioniert. So sieht die Strategie vor, dass bis zu 25 Prozent der Stromerzeugung bis zum Jahr 2030 - zusätzlich zur Wasserkraft - aus neuen erneuerbaren Energiequellen in Europa stammen sollen. Das Erneuerbaren Ausbaugesetz EAG, welches Anfang Juli 2021 im österreichischen Parlament verabschiedet wurde und das von der Energiewirtschaft befürwortet wird, sieht eine weitgehende Dekarbonisierung sowie Klimaneutralität bis 2040 vor und setzt damit die Rahmenbedingungen, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen.

Neben den Aktivitäten im Bereich Strom- und Gasnetz, welche ebenfalls massiv ausgebaut werden müssen, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, sowie im Stromhandel und -vertrieb will der Verbund neue Anwendungsfelder besetzen, die maßgeblich zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende in den kommenden Jahren beitragen. Das betrifft zum Beispiel die Entwicklung eines grünen Wasserstoffsystems, die Forcierung der Elektromobilität und die Entwicklung von Speichersystemen. Damit leistet der Konzern einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der österreichischen Klimastrategie.

Ausbau bei der Wasserkraft

Der Verbund investiert mehr als eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau bestehender Pumpspeicherkraftwerke in Salzburg und Kärnten: Mitte Juni 2021 erfolgte der Baustart am Reißecker-Seenplateau in Kärnten für das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II plus. In Summe investiert der Konzern aktuell 160 Mio. Euro in die Modernisierung und Erweiterung der Kärntner Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck, um auch künftig die gesteigerte Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien bedarfsgerecht zwischenspeichern zu können. 

Der Stollenanschlag für das zweite große Erweiterungsprojekt in der Kraftwerksgruppe Kaprun ist für September 2021 geplant: Limberg III mit einer Leistung von 480 MW wird ebenfalls als Kavernenkraftwerk vollkommen unterirdisch zwischen den beiden bestehenden Speicherseen Mooserboden und Wasserfallboden errichtet. Bis 2025 werden dafür insgesamt rund 480 Mio. Euro in die zukunftsorientierte Stromerzeugung und -speicherung investiert, inklusive hoher regionaler Wertschöpfung.

Gas Connect für Sektorkopplung und grünen Wasserstoff

Ende Mai 2021 fand das Closing des Erwerbs von 51 Prozent der Anteile an der Gas Connect Austria statt – ein wichtiger strategischer Meilenstein für den Verbund. Der vereinbarte Kaufpreis für den bisher von der OMV gehaltenen Anteil beträgt abzüglich der für das Geschäftsjahr 2020 ausgeschütteten Dividende 238,7 Mio. Euro. Zusätzlich übernimmt der Verbund die ausstehenden Verbindlichkeiten der Gas Connect Austria Gruppe gegenüber der OMV.

"Als Eigentümer und Betreiber von kritischer Infrastruktur stellt der Erwerb der Anteile an der Gas Connect Austria für uns neben einer Verbesserung des Geschäftsprofils durch den erhöhten Anteil von stabilen und regulierten Erträgen sowie einer positiven Kennzahlenentwicklung vor allem eine optimale Positionierung in Bezug auf die Sektorkopplung und der Entwicklung eines grünen Wasserstoffsystems dar.