CORONAVIRUS UND PHOTOVOLTAIK-BRANCHE

„Die Krise wird uns noch ein halbes Jahr beschäftigen“

Zuerst wurde wegen des Coronavirus der chinesische Frühling (die Feiertage nach dem Neujahrsfest) verlängert. Nun verzögern sich die Schiffstransporte. Das trifft auch die Photovoltaik-Branche. Lieferverzögerungen und Engpässe bei Modulen und Komponenten sind schon jetzt deutlich spürbar.

Sunrise Energy hat die Produktion wieder aufgenommen.

Wie bei vielen Photovoltaik-Produzenten aus China standen auch bei Sunrise Energy die Fertigungslinien in den chinesischen Werken für einige Zeit still. Grund dafür war vielfach die unfreiwillige Verlängerung des chinesischen Neujahrsfestes am 25. Jänner. Viele Beschäftigte, die während der Feiertage heim zu ihren Familien gefahren waren, konnten aufgrund des Reiseverbots durch das Coronavirus danach nicht mehr zu ihrem Arbeitsplatz zurück. In insgesamt acht Provinzen wurde der Produktionsstopp überhaupt um zwei Wochen verlängert. Davon waren auch die chinesischen Werke von Jinko Solar, JA Solar, Trina Solar und Longi betroffen.

Engpässe und steigende Preise

„Grundsätzlich sind alle Produktionsstätten von Photovoltaikmodulen durch die Ausfälle stark beeinträchtigt“, erklärt Ken Ren, der fürs Übersee-Geschäft zuständige Marketing Manager bei Sunrise Energy. Mittlerweile hat der Hersteller, dessen Produkte im DACH-Raum seit kurzem von Suntastic Solar vertrieben werden, die Produktion wieder aufgenommen. Allerdings würden nun viele der geplanten Schiffstransporte aus dem Hafen Shanghai gestoppt, so Ren: „ Lieferengpässe innerhalb der EU und steigende Preise sind daher fürs erste Quartal zu erwarten.“ Das sorgt für weitere Spätfolgen durch das Coronavirus.

© Sunrise Energy

Hygiene-Maßnahmen werden auch in den chinesischen Werken sehr ernst genommen.

„Rund 1,5 Gigawatt kommen nicht nach Europa“

Die Engpässe und Lieferverzögerungen durch das Coronavirus sind bereits spürbar. Und sie werden sich wohl nicht aufs erste Quartal beschränken. Die Module, die jetzt für den vierwöchigen Seeweg eingeschifft würden, sind ja bereits verkauft und für geplante, geförderte Projekte gedacht. Suntastic Solar-Geschäftsführer Markus König überschlägt die Corona Zahlen für uns im Kopf: „Ich würde schätzen, dass rund 1,5 Gigawatt nicht nach Europa geliefert werden. Von diesem Rückstand lassen sich in den kommenden Monaten vielleicht 200 bis 250 Megawatt im Monat aufholen.“ Mit anderen Worten: Bis zu einer Normalisierung der Situation würde es nach dieser Rechnung noch mindestens sechs Monate dauern.

Große Hersteller wie Jinko haben auf vielen Kontinenten ihre Produktionsstätten. Dennoch ist nach Einschätzung des Suntastic-Chefs jeder Hersteller der Top Ten von der gegenwärtigen Situation betroffen. Die Engpässe führten sogar schon zu ersten Panikkäufen aufgrund einzuhaltender Fördertermine bei Projekten. „Ohne die PV-Module geht sonst der Gesamtauftrag verloren. Meiner Beobachtung nach werden daher auch schon mal zehn oder 20 Prozent Aufschlag akzeptiert.“ Markus König hält jedoch fest, dass er für solche kurzfristigen Umsätze nicht zu haben sei. „Prompte Lieferung an unsere Stammkunden ist uns wichtig. Was das angeht, haben wir gut vorgeplant.“

Auch Komponenten für PV-Module betroffen

Europäische Hersteller werden durch das Chaos rund ums Corona Virus in Mitleidenschaft gezogen. Nicht nur Photovoltaikmodule werden vielfach aus dem chinesischen Markt bezogen, sondern auch Rohstoffe und Komponenten, vor allem Solarzellen und das Glas für die Paneele. Die Analysten von Roth Capital meinten daher: „Es scheint, dass die Preise für das Photovoltaik-Ökosystem in naher Zukunft steigen könnten, da die Industrie einen Mangel an Wafern und möglicherweise auch an Glas zu verspüren beginnt.“ Modulhersteller dürften einen Vorrat von einigen Wochen bis längstens wenigen Monaten auf Lager haben. Danach tut sich auch hier eine Lücke auf.

© Pixabay

Kaum geht das Photovoltaik-Geschäft so richtig los, ziehen Wolken auf.