Photovoltaik

Massiver Preiskampf, chinesische Absatzförderung

Der Photovoltaik-Markt wächst und wächst. Dennoch sieht Branchenradar-Geschäftsführer Andreas Kreutzer Problemfelder: Er fordert eine stärkere Berücksichtigung heimischer Anbieter durch die öffentliche Hand und eine Neuregelung der Einspeistarife.

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Die Photovoltaik hat sich gegen die Solarthermie so gut wie durchgesetzt: Über kurz oder lang werde die Solarwärme von den Dächern verschwinden, meint Marktforscher Andreas Kreutzer. Ein Gespräch über das Marktwachstum beim Solarstrom, die schwierige Situation hemischer Anbieter, asiatische Grauware und nötige Strategien der öffentlichen Hand.

Elektropraxis: Wie hat sich der heimische Photovoltaik-Markt 2020 entwickelt?

Andreas Kreutzer: Schon 2019 ist der Markt um ein Drittel absatzseitig – nach Kilowatt peak – gewachsen. 2020 rechnen wir mit einem Plus von 21 Prozent. Freilich haben wir unsere Studie bereits im Herbst erstellt, wodurch sich Unschärfen ergeben. Das liegt daran, dass der Anteil der Importe von Jahr zu Jahr steigt. Mittlerweile kommen die Panels bei den installierten Projekten zu zwei Dritteln nicht mehr aus Europa, sondern aus Asien. 

Aus Sicht des Klimaschutzes ist die Entwicklung des heimischen Photovoltaik-Marktes erfreulich. Man muss aber auch ganz offen sagen, dass es sich dabei in dieser Form um ein chinesisches Absatzförderprogramm handelt. Die beiden angestammten Anbieter, Energetica und Kioto, bleiben zwar nach den verfügbaren Zahlen die führenden Unternehmen. Was an asiatischer Grauware nach Österreich strömt, lässt sich jedoch nur über die Außenhandelsstatistik, deren Zahlen erst ausstehen, näherungsweise schätzen.

In der Corona-Krise wurde die Notwendigkeit betont, Produktion und Wertschöpfung nach Österreich zurückzuholen. Das ist offenbar nicht passiert ...

Kreutzer: 2020 haben die heimischen Anbieter zugelegt – allerdings auf Kosten des Preises. Der sinkt nach wie vor, weil auch die europäische Industrie im Preiseinstieg mit um Marktanteile zu kämpft. Wir haben es mit einem massiven Preiswettbewerb zu tun.

Das große Wachstum kommt nicht aus dem privaten Wohnbau, sondern aus dem Nicht-Wohnbau und von den PV-Kraftwerken. Da stellt sich die Frage, ob öffentliche Hand und Photovoltaik-Kraftwerke verpflichtet werden sollten, inländische PV-Module zu verwenden.

Heimische Anbieter versuchen preislich mitzuhalten

Wo liegt der derzeitige Durchschnittspreis?

Kreutzer: 2020 bei 400 Euro pro Kilowatt peak – ein Wert, der in den kommenden Jahren weiter hinuntergehen wird. Zum Vergleich: 2012/13 lag der Preis zwischen 600 und 700 Euro und blieb dann für Jahre relativ stabil. 2015 waren es immer noch rund 600 Euro. Seitdem sinkt der Preis, obwohl vor einigen Jahren Antidumping-Zölle eingeführt wurden. Nun haben wir die Situation, dass auch die heimischen Anbieter preislich mitzuhalten versuchen.

Wie hoch war das Umsatzwachstum 2020 und in welchem Ausmaß konnten die heimischen Anbieter mitnaschen?

Kreutzer: Der Umsatz wuchs um 13 Prozent. Energetica und die Kioto-Gruppe halten zusammen absatzseitig ungefähr ein Viertel des Marktes und konnten gegenüber 2019 acht Prozent Marktanteil zulegen. 2018 hatten sie jedoch noch einen Marktanteil von 34 Prozent. 

Das heißt, wir haben ein leichtes Wachstum gegenüber einem Jahr, in dem sie sich halbiert haben. Das sind aber – wie gesagt – noch vorläufige Zahlen. Mehr wissen wir im März/April.

Was ist der Grund fürs Wachstum? Sind es die Förderungen, der Homing-Trend in Corona-Zeiten oder ein genereller Bewusstseinswandel?

Kreutzer: Der Bewusstseinswandel ist in jedem Fall festzustellen. Es sind aber nicht so sehr die Privathaushalte, sondern die PV-Kraftwerke, die sich massiv auswirken. 2019 wie auch 2020 lag deren Absatzplus bei jeweils 40 Prozent. Freilich ist auch der Bereich der Privathaushalte zweistellig gewachsen. Da hatten wir in der Vergangenheit noch den Konkurrenzkampf am Dach mit der Solarthermie, den die Solarthermie mittlerweile verloren hat.

Will man mehr PV im Neubau und bei der Nachrüstung, muss man bei gesetzlichen Regelungen, Einspeisetarifen und der Bürokratie nachschärfen. Es kann nicht sein, dass ich für eingespeisten Strom deutlich weniger bekomme, als ich für zugekauften Strom bezahle. Das ist ein schlechter Deal!

Problematische Rahmenbedingungen im EAG-Gesetz

Wobei das EAG-Gesetz sogar einen Wegfall des Einspeisetarifs bei Kleinanlagen vorsieht ...

Kreutzer: Das ist problematisch, weil die Rahmenbedingungen damit verschlechtert werden. Natürlich amortisiert sich eine Anlage rasch, ob nun mit oder ohne Förderung. Es geht aber auch darum, dass darüber geredet wird. Im Grunde genommen wollen die österreichische Elektrizitätswirtschaft und die APG gar nicht, dass Strom eingespeist wird. Das kann ich aus technischer Sicht nachvollziehen: Je mehr eingespeist wird, desto stärker werden die Netze beansprucht. Das sollte man aber klar sagen. Dann gibt es überhaupt keine Einspeisung mehr und ich habe lauter Insellösungen.

Welche Entwicklung am Photovoltaik-Markt ist für 2021 zu erwarten?

Kreutzer: Wir gehen in jedem Jahr von zumindest 10-prozentigem Wachstum absatzseitig aus. Wobei das auch davon abhängt, wie es bei PV-Kraftwerken und Privathaushalten weitergeht. Und natürlich nur von der Förderpolitik.

Wie sehen Sie Bestrebungen der Bundesländer, Freiflächen-Anlagen einzuschränken?

Kreutzer: Es mag Regionen geben, insbesondere in den Alpen, wo Freiflächen-Anlagen das Naturbild stören. Im Flachland, also in Niederösterreich, im Burgenland und in großen Teil Oberösterreichs, finde ich das eher unverständlich. Hier braucht es ein Umdenken, sonst wird es nichts mit der geplanten Energiewende.

Nicht nur bei den Regelungen zu Freiflächen-Anlagen spielt sich viel auf Länderebene ab ...

Die PV-Entwicklung nach Bundesländern fällt höchst unterschiedlich aus, weil sich Großprojekte überproportional auswirken. In Niederösterreich beispielsweise geht es hinauf und hinunter: 2017 hatten wir 42 Kilowatt peak, 2018 waren es 29 gegenüber 68 im Jahr 2019, und 2020 gehen wir sogar von 100 Kilowatt peak aus. In Oberösterreich wiederum sehen wir eine stetige Steigerung – von 35 auf 49 auf 67 Kilowatt peak. 2020 erwarten wir 70 Kilowatt peak.

Solarthermie wird fast überall verschwinden

In Ihren Branchenradar-Studien haben Sie aktuell auch die Märkte für Wärmepumpen und Solarthermie erhoben. Ist daraus der Schluss zulässig, dass PV und Wärmepumpe heute als perfekte Kombination gelten, wogegen die Solarthermie dahinsiecht?

Kreutzer: In einem mehrgeschoßigen Wohnhaus oder auf Wohn- und Studentenheimen macht Solarthermie immer noch Sinn. Ich bin sogar der Meinung, dass sich in diesem Fall eine solarthermische Anlage eher rechnet als eine PV-Anlage. Überall sonst wird Solarthermie über kurz oder lang verschwinden. Es sei denn, ich habe ein Eigenheim mit großer Dachfläche, wo beides Platz hat, und dazu noch einen Swimming Pool.

2020 kam es da und dort zu Bauverzögerungen. Wie wird sich dies in den kommenden Jahren auf die nachfolgenden Gewerke auswirken?

Kreutzer: Zu Verzögerungen kam es im Wesentlichen nur bei Großbaustellen der öffentlichen Hand im Nicht-Wohnbau, im Wohnbau hingegen kaum. Da und dort waren Baustellen vielleicht für zwei Wochen geschlossen. Eher ausgewirkt hat sich die Unterbrechung der Lieferketten, wodurch Baumaterialien kurzfristig nicht verfügbar waren. Bis Jahresende konnte das aufgeholt werden.

Auch bei den Bewilligungen sehen wir keinen Corona-bedingten Abwärtstrend: 2020 kam es im mehrgeschoßigen Wohnbau zwar zu einem Minus von fünf Prozent – bezogen auf die Wohneinheiten. Dieser Wert schwankt aber von Jahr zu Jahr: 2019 war ein Plus von 19, 2018 ein Minus von 25 Prozent zu verzeichnen. Bei den Einfamilienhäusern stiegen die Bewilligungen um fünf Prozent – so wie schon in 2018, wobei hier 2019 ein Minus von einem Prozent folgte.

Alle Bewilligungen zusammengenommen, sahen wir 2017 ein Plus von zehn Prozent, 2018 ein Minus von 17 Prozent, 2019 ein Plus von 13 Prozent und jetzt ein kleines Minus von zwei Prozent. Bewilligungen im Nicht-Wohnbau sind ganz stark um zwölf Prozent gesunken, insbesondere die Bereiche Handelsgebäude, Industrie und Lager, Freizeiteinrichtungen sowie Büro und Verwaltung. Da spielt die wirtschaftliche Unsicherheit angesichts der Pandemie dann schon eine gewisse Rolle. Im Nicht-Wohnbau wird es in den nächsten Jahren womöglich einen kleinen Nachholeffekt geben, der Wohnbau sollte sich – nach den Bewilligungen betrachtet – stabil weiterentwickeln.