KNX SMART ENERGY SUMMIT

Ohne KNX keine Energiewende

Als Online-Event wurde heuer der KNX Smart Energy Summit abgehalten. Dabei diskutierten Experten über smartes Energiemanagement mit KNX. Denn dass es nicht ohne KNX gehen wird – das war für alle Beteiligten klar.

Ein Standard, unzählige Möglichkeiten: Mit der Elektromobilität gewinnt auch KNX an Bedeutung.

KNX wird Teil der Elektromobilität und steht damit aktuell auch vor neuen Herausforderungen: Beispielsweise, wenn es darum geht, die E-Autos im Smart Home zu laden und ins Energiemanagement zu integrieren. KNX übernimmt hier die Rolle des Dirigenten im Energiekonzert und harmonisiert die Abläufe zwischen bis zu fünf Wallboxen verschiedener Typen und Hersteller, der Photovoltaik-Anlage mit dazugehörigem Wechselrichter, dem Batteriespeicher und den Verbrauchern im Smart Home. Helmut Haßenpflug, Geschäftsführer der auf KNX-Planung spezialisierten IGT GmbH; meint dazu pointiert: „Dass das bereits jetzt möglich ist, ohne dass die Haussicherung rausfliegt, zeigt die Leistungsfähigkeit von KNX in diesem Umfeld, das jetzt kräftig an Fahrt aufnimmt.

KNX im Smart Home

Beste Voraussetzungen bietet KNX für die immer wichtigere Optimierung des Eigenverbrauchs. Dass die Wärmepumpe meist nur über Modbus kommuniziert und nicht KNX „spricht“, ist für Jürgen Leppig kein Problem: „Es gibt Geräte, die über eine Modbus-Schnittstelle verfügen und dieses Protokoll auf KNX umsetzen. Zudem ist der Standard für die Sektorkopplung geeignet – da kommen wir in ganz neue Regionen“, so der Gebäude-Energieberater.

Für die Zukunft des Smart Home scheint KNX unverzichtbar, da sich der Kommunikationsstandard laufend fortentwickelt, genauso wie das Smart Home selbst. Ein weiterer Vorteil für den HSc Informatik-Geschäftsführer Hermann Schmidt: „Ein KNX-System lässt sich offen, aber auch geschlossen aufbauen. Das ist hinsichtlich der Sicherheit ein wichtiger Punkt.

Ein wandelbarer Standard

Wie wichtig diese stetige Weiterentwicklung ist, erklärt Schmidt am Beispiel eines BHKW-Projekts, das er seit 2012 begleitet: Aufgrund instabiler Netze hatte sich ein Unternehmen zum Kauf eines Blockheizkraftwerks (40 kW Wärmeleistung, 15 kW elektrische Leistung) für den Bedarfsfall entschlossen. Auch eine Gastherme wurde bedarfsgerecht zugeschaltet. Und darüber hinaus sollten noch 150 Meter entfernte Nebengebäude integriert werden. Nun wird das System um eine bestehende PV-Anlage erweitert und ein 70 kW-Lithium-Ionen-Batteriespeicher in das Energiemanagement eingebunden. Redundanzen und Ersatzstromversorgung nicht zu vergessen.

Schmidt: „Die müssen alle miteinander sprechen. KNX-Schnittstellen sind in diesen Sektoren aber selten, da vor allem Modbus zum Einsatz kommt.“ Dennoch konnte er das Problem relativ einfach lösen, da es mittlerweile viele Gateways gibt, die die verschiedenen Schnittstellen auf KNX umsetzen. Wie das Projekt zeigt: „Seit 2012 ist das System im Fluss und wird weiter ausgebaut – für das Energiemanagement auf Basis von KNX ist das kein Problem.

Als deutscher Innungsvertreter warnte Bernd Zellmann bei der Diskussionsveranstaltung der KNX Association davor, die neuen Herausforderungen für das Elektrogewerbe zu übersehen. „Vorausschauende Energiesteuerung ist das Ziel. Also müssen wir den Eigenverbrauch berücksichtigen und die eigene Erzeugung. Wir müssen den Netzzustand erfassen, um die Netzkosten zu reduzieren. Wir müssen den Strommarkt berücksichtigen, weil es demnächst flexible Strompreise geben wird, und das Ganze 96 Stunden im Voraus planen. Niemand anderer als der Elektrotechniker kann dies alles wirtschaftlich in den Gebäuden umsetzen.“

Wo ist Nachholbedarf?

Was also ist zu tun? Laut Zellmann genügt es für einen Elektrotechniker nicht, hie und da bei einem Projekt mitzumachen. „Denn wenn derjenige, der ein Projekt aufgebaut hat, plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht, funktioniert es hinterher oft nicht mehr.“ Um derartige Probleme im Nachlauf zu vermeiden, sei es erforderlich, dass Elektrotechniker die Systeme von Grund auf erlernen und verstehen, sodass sie systematisch an den Aufbau herangehen können. Dann kann im Bedarfsfall auch ein neuer Fachbetrieb das Projekt nahtlos übernehmen.

Einig waren sich die meisten Diskussionsteilnehmer: „KNX muss intelligente Schnittstellen schaffen, die jeder versteht – etwas Übergreifendes wie KNX IoT. Dafür muss mehr Intelligenz in die Systeme“. Auch wurde der Wunsch nach weniger Gerätetypen geäußert, beispielsweise indem Aktoren und Sensoren integriert werden.

Grundsätzlich ist KNX laut Helmut Haßenpflug aber schon heute dafür gerüstet, eine zentrale Stellung in der Energiewende zu übernehmen. Die dazu erforderlichen Systeme seien bereits erhältlich: „Wir können sie mit den am Markt existierenden Home Energy Management-Systemen zusammenführen.“ Im Smart Home funktioniere dies bereits sehr gut. Allerdings gebe es im Bereich der Heizungen und Lüfter noch einiges zu tun. Zu wenige Anbieter würden hier ihre Geräte mit intelligenten Schnittstellen ausstatten bzw. diese offenlegen.