WIEDERERÖFFNUNG IN ZEITEN VON CORONA

So liefen die ersten Tage im Elektrohandel

Wiedereröffnung in der Coronakrise: Ausgezeichnet liefen die ersten Tage im Elektrohandel. Von vervielfachter Kundenfrequenz berichtet etwa ETech-Filialleiter Alois Bernögger. Die Umsatzrückgänge der vergangenen Wochen werden sich dennoch nicht aufholen lassen.

Wie viele kleine und mittlere Elektrogeschäfte hat ETech in Molln wieder aufgesperrt.

Dreimal so viele Kunden wie sonst kamen innerhalb der ersten anderthalb Tage in die Mollner ETech-Filiale. Mit einer Verkaufsfläche von 130 Quadratmetern gehört das Elektrogeschäft zu jenen Verkaufsstandorten, die nach den Osterfeiertagen ihre Pforten öffnen durften.

Geschäfte mit mehr als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche müssen sich vorerst noch gedulden. Das trifft nicht nur Großflächen-Anbieter wie MediaMarkt und Saturn. Mit den Standorten in Grein, Molln, Neuhofen und Windischgarsten hat bei ETech vorerst nur die Hälfte der Geschäfte geöffnet. Die Filialen in Linz Urfahr, Rohrbach, Gmunden und Schärding sind in der Corona Pandemie weiterhin nur per Telefon und E-Mail erreichbar. Diese Geschäfte dürfen nach derzeitigem Stand voraussichtlich am 2. Mai wieder aufsperren.

Corona Schutzmasken und Desinfektionsmittel

Trotz der starken Frequenz zieht Filialleiter Alois Bernögger nicht nur umsatztechnisch ein positives Fazit: „Die Leute waren äußerst diszipliniert und haben sich ausnahmslos an die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen gehalten“, erklärt er. Auf Plakaten vor dem Geschäft wird darauf aufmerksam gemacht, dass sich maximal sechs Personen (je ein Kunde pro 20 Quadratmeter) im Geschäft aufhalten dürfen. Desinfektionsmittel für die Hände und Schutzmasken für die Kunden liegen bereits vor dem Eingang bereit. Klebestreifen am Boden verdeutlichen die Notwendigkeit, in Zeiten von Covid-19 Abstand zu halten.

Das suchen die Menschen im Elektrogeschäft

Was kaufen die Leute nach rund vier Wochen Abstinenz vom Elektrohandel? „Eigentlich alles – von TV-Gerät bis E-Herd, von Waschmaschine bis Staubsauger“, sagt Bernögger. Zum Teil werden nun schon länger notwendige Ersatzkäufe nachgeholt. Etwa indem ein neuer Wäschetrockner statt des kaputten Altgeräts angeschafft wird. Auffällig ist, wie gut vorinformiert viele Kunden sind. „Die meisten benötigen kaum Beratung, sondern wissen genau, was sie wollen“, beobachtet der Filialleiter. Offenbar war in den vergangenen Wochen genügend Zeit für eine ausgiebige Produktrecherche. Der jüngst in der Region verbreitete Aktionsprospekt leistete wohl ebenfalls Unterstützung bei der Produktwahl.

Der Konsumstau der Corona Krise wird zurzeit teilweise abgebaut. Der Umsatzentgang durch die Betriebsschließung lässt sich jedoch nicht einmal annähernd aufholen, ist Bernögger überzeugt: „Bei uns am Land kommt viel Laufkundschaft, um beispielsweise Ersatzzahnbürsten oder Kaffeefilter zu kaufen. Diese Kunden fehlen natürlich, den Umsatz haben inzwischen andere Vertriebskanäle gemacht.“

Hohe Umsatzverluste im Elektrohandel

Von unabhängiger Seite hochgerechnete Zahlen geben dem ETech-Chef Recht. Pro Shutdown-Tag in Zeiten von Corona verlor der stationäre Einzelhandel in Österreich durchschnittlich rund 110 Millionen Euro Brutto-Umsatz, schätzen Dr. Christoph Teller und Dr. Ernst Gittenberger vom Institut für Handel und Marketing der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Von 16. März bis 13. April summiert sich dies bei 24 Einkaufstagen auf Umsatzverluste von 2,6 Milliarden Euro. Rund 270 Millionen Euro davon entfallen auf den Elektrohandel.

Zum Vergleich: Das Weihnachtsgeschäft im Stationärhandel lag 2019 mit 1,5 Milliarden Euro deutlich unter den derzeitigen Verlusten. „Auch die durchschnittlichen Jahresgewinne vor Steuern der betroffenen Branchen sind nicht mal halb so hoch wie die Umsatzverluste bis Ostern“, verdeutlicht Gittenberger. „Rein rechnerisch wäre ein kompletter Jahresgewinn – bei weiterhin laufenden Kosten – im Durchschnitt nach anderhalb Wochen Shutdown aufgebraucht.“