Coronavirus-Kurzarbeit

So steuern Österreichs Elektriker durch die Krise

„Das Paket, das von der Regierung geschnürt wurde, ist extrem gut!“, so Stephan Preishuber. Der Chef der Preishuber GmbH setzt auf Kurzarbeit und – aus Sicherheitsgründen – auf Zuteilung der Mitarbeiter zu unterschiedlichen Schichten bzw. Arbeitspartien. Das kann die Kurzarbeit und das sind die Alternativen.

20 Mitarbeiter beschäftigte die Preishuber GmbH vor der Coronakrise. 20 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen auch weiterhin – mitten in der Krise. Dank Corona Kurzarbeit geht sich das aus. Der Betrieb aus dem oberösterreichischen Pöndorf hat sich auf Bau, Erweiterung, Support und 24-Stunden-Service von Industrieanlagen spezialisiert. Das Leistungsportfolio liegt in den Bereichen Maschinenbau, Automatisierung und Robotik, Elektrik, Energiemanagement sowie in der Ersatzteilbeschaffung und Servicierung.

Namhafte Unternehmen der in Oberösterreich traditionell starken Industrie zählen zu den Preishuber-Kunden. Die meisten davon können die wegen Covid-19 geltenden arbeitsrechtlichen Bestimmungen einhalten und laufen daher fast normal weiter. „Von den Herstellern, die wir betreuen, hat vorerst nur ein größerer Betrieb zugesperrt. Dort können die Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten werden“, erzählt Geschäftsführer Stephan Preishuber.

„Wir brauchen unsere Mitarbeiter!“

Die Instandhaltungstechniker von Preishuber sind angehalten, den Sicherheitsabstand von zumindest einem Meter bei Aufträgen strikt einzuhalten. Das ließe sich in der Praxis auch gut umsetzen, so der Chef. Um die Einsatzfähigkeit auch bei etwaigen Corona Krankheitsfällen zu gewährleisten, wurde das Team zudem in zwei Partien aufgeteilt: „Die Instandhaltungstechniker haben jeweils drei Tage Arbeit und danach drei Tage frei“, so Preishuber. Damit sich das ausgeht, befinden sich zurzeit einige wenige Mitarbeiter in Kurzarbeit. Ein weiterer Mitarbeiter ist im Urlaub.

Als oberösterreichischer Landesinnungsmeister der Elektro-, Gebäude- und Alarmtechniker rät Preishuber auch seinen Kollegen dringend dazu, das aktuelle Kurzarbeitsmodell in Anspruch zu nehmen, anstatt die Kündigung auszusprechen: „Das entsprechende Paket, das von der Regierung geschnürt wurde, ist extrem gut und kommt gerade zur rechten Zeit!“ Vor der Corona Krise sei der Fachkräftemangel noch bestimmendes Branchenthema gewesen. Mit der großen Pleitenwelle unter Österreichs Elektrotechnikern und Elektrikern rechnet der Innungsfunktionär daher nicht – vorausgesetzt, die aktuelle Situation dauert nicht länger als ein, zwei Monate an. Bis dahin heißt es durchhalten: „Es kommen wieder andere, bessere Zeiten, und dann brauchen wir unsere Mitarbeiter!“

Das Modell der Corona Kurzarbeit

Im Rahmen der Corona-Kurzarbeit wird für maximal drei Monate (mit Option auf einmalige Verlängerung) eine Reduzierung der Arbeitszeit um zehn bis 90 Prozent der Normalarbeitszeit vereinbart. Innerhalb des gewählten Zeitraums kann die Arbeitszeit dabei auch ungleichmäßig verteilt werden. Das flexible Modell erlaubt es sogar, Kurzarbeit für Teilzeitbeschäftigte oder bestimmte Gruppen von Beschäftigen innerhalb des Betriebs zu vereinbaren.

Besonders attraktiv sind die finanziellen Regelungen bei der Corona-Kurzarbeit: Arbeitgebern sind zwar verpflichtet, ihren Mitarbeitern für jede ausgefallene Arbeitsstunde 90 Prozent (Bruttoentgelt bis 1.700 Euro), 85 Prozent (bis 2.685 Euro) bzw. 80 Prozent (bis 5.370 Euro) des bisherigen Nettoentgelts zu bezahlen. Wobei Lehrlinge sogar den vollen Betrag ihrer Lehrlingsentschädigung erhalten. Auch sind Sozialversicherungsbeiträge auf Basis des ungekürzten Entgelts zu leisten. Die entstehenden Mehrkosten werden jedoch fast zur Gänze durch die Kurzarbeitsbeihilfe des Arbeitsmarktservice ausgeglichen.

Ein Infoblatt für Elektrotechniker zur Corona Kurzarbeit samt dazugehöriger Formulare findet sich auf einer SARS-CoV-2 Infoseite, die vom Haus der Elektrotechnik eingerichtet wurde. Alle Detailfragen zur Kurzarbeitsregelung beantwortet zudem eine Infoseite des AMS.

https://youtu.be/PvV_TW08OsI

Sonderregelung bei Corona Beschränkungen

Aufgrund der derzeitigen Beschränkungen ist es nicht immer möglich, dass ein Mitarbeiter die Kurzarbeitsvereinbarung auch persönlich unterzeichnet. In diesem Fall kann die unterfertige Vereinbarung zu einem späteren Zeitpunkt beim AMS nachgereicht werden. Zwischenzeitlich können Unternehmen zur Dokumentation die entsprechende Mail-Korrespondenz mit dem Arbeitnehmer beilegen. Möglich ist auch, in einem Begleitschreiben zu erklären, dass telefonisch Kurzarbeit vereinbart wurde.

In den meisten Fällen von verringertem Arbeitsanfall wird im Moment wohl Kurzarbeit pro Woche die günstigere Alternative sein. „Die Rahmenbedingungen haben sich gegenüber früheren Kurzarbeitsmodellen wesentlich verbessert“, erklärt TPA-Berater Wolfgang Höfle. Zwar werden die Arbeitgeberkosten nicht zu 100 Prozent, aber doch zu einem großen Teil abgedeckt.

Alternativen zur Kurzarbeit

Es gibt jedoch noch andere Optionen, die in Frage kommen. Abseits von Kündigungen, die in Zeiten des Fachkräftemangels meist keine gute Option darstellen dürften. Die Alternativen zur Kurzarbeit laut TPA:

- Vermeiden von Überstunden und Mehrarbeit

- Abbau von Zeitguthaben

- „Lockerung“ von Gleitzeitmodellen

- Vereinbarung von Urlaub

- Vereinbarung der (befristeten) Reduktion der Arbeitszeit (Teilzeit)

- Bildungsteilzeit: Teilzeit und Weiterbildungsgeld vom AMS

- Vereinbarung von unbezahltem Urlaub/Karenz oder Bildungskarenz

Corona-Infowebsite: Haus der Elektrotechnik

Aktuelle Informationen zum Coronavirus vom Österreichischen AMS