E-Control zieht Bilanz

Stromanbieter: Wechselraten auf historischem Höchstand

18 neue Stromlieferanten sorgten in den letzten fünf Jahren für die größte Wechselbereitschaft, die es seit der Marktliberalisierung gegeben hat. Doch mit einem Höchstwert von 4,3 Prozent Wechselrate zeigen sich heimische Haushalte nach wie vor als sehr konservativ.

Strom E-Control Energie

Die Wechselraten für Haushalte erreichten für Strom in den letzten fünf Jahren den Höchststand in der „Liberalisierungsgeschichte“: Der Rekordwert wurde im Jahr 2017 mit 4,3 Prozent für Strom erreicht. Zum Vergleich: Bei Gas lag die Wechselbereitschaft doch nochmal höher, hier wurde von der E-Control 2018 eine Spitze von 6,3 Prozent Anbieterwechseln registriert. Der Grund: Zahlreiche neue Anbieter haben den Markt belebt, meint E-Control-Geschäftsführer Wolfgang Urbantschitsch: "In den letzten fünf Jahren sind für Haushalte viele neue Anbieter hinzugekommen. So haben seit 2016 insgesamt 18 Stromlieferanten den Wettbewerb am Haushaltskundenmarkt weiter belebt."

Beim Strom stammten die Anbieter zu einem Drittel aus Österreich, genau 6 neue heimische Stromlieferanten konnten sich etablieren. Der Großteil des restlichen Dutzends kommt aus Deutschland. Neun deutsche Unternehmen weiteten ihre Geschäftstätigkeit auf den österreichischen Markt aus. Alle neuen Lieferanten konnten am Markt durchwegs erfolgreich Fuß fassen, meint die E-Control. Parallel dazu betätigten sich am Strommarkt auch immer mehr langansässige, österreichische Lieferanten außerhalb ihres angestammten Netzgebietes und belebten so den Wettbewerb weiter. Inzwischen bieten über 155 Lieferanten Strom für Haushalte an, davon knapp 60 österreichweit. Zum Vergleich auch hier wieder der Gassektor, der vergleichsweise konzentriert ist: Von den rund 50 Gasversorgern für Haushalte sind knapp 30 österreichweit mit ihren Produkten vertreten. Und noch ein Schmankerl nennt Urbantschitsch: Unter den neun Bundesländern ist Oberösterreich traditionell das mit den höchsten Wechselzahlen. 

Seit 25. März 2016 ist das derzeitige Vorstandsduo der E-Control, Andreas Eigenbauer und Wolfgang Urbantschitsch, im Amt. Zum Jubiläum zogen die beiden Bilanz: Neben der Wechselrate waren auch der neue Tarifkalkulator, die Trennung der Strompreiszone und die neue Tarifstruktur einschneidende Ereignisse. 

Tarifkalkulator rundum erneuert

"Die E-Control erfüllt mit dem Tarifkalkulator ihren gesetzlichen Auftrag, Energiepreisvergleiche für Haushalts- und Kleingewerbekunden zu ermöglichen und das einzige Tool in Österreich, das vollständig und objektiv alle Tarife beinhaltet und anzeigt.“, so Urbantschitsch. Nachdem der Tarifkalkulator bereits im Jahr 2001 ins Leben gerufen wurde, war es im Jahr 2017 Zeit, diesen vollständig zu erneuern. So wurde beispielsweise die Möglichkeit geschaffen, zeitvariable Tarife und PV-Produkte abzubilden. Außerdem können seither Smart Meter-Lastprofile hochgeladen werden, um Produkte anzuzeigen, in denen das dynamische Verbrauchsverhalten miteinbezogen wird. 

Der Tarifkalkulator enthält mittlerweile 4.000 Produkte von über 200 Stromlieferanten und Gasversorgern. "Wurden im Jahr 2016 für einen durchschnittlichen Haushalt bei einer Abfrage für Wien noch 89 Angebote angezeigt, so sind es heuer bereits 147 Angebote für Strom, für Gas hat sich die Produktanzahl beinahe verdreifacht. Erkennbar ist die verstärkte Vermarktung von Produkten mit indexgebundenen Preisänderungen, den sogenannten Floatern. Mittlerweile finden sich im Tarifkalkulator fast 90 derartige Produkte“, erläutert Urbantschitsch.

Trennung der Strompreiszone als einschneidendes Ereignis

Mit Oktober 2018 wurde die gemeinsame Gebotszone von Deutschland, Luxemburg und Österreich in zwei Teile getrennt. Seither kaufen und verkaufen Unternehmen mit Lieferung in Österreich Strom getrennt von jenen der beiden anderen Länder. Die Verbindungskapazität wurde mit 4,9 GW vereinbart. Durch die Trennung stehen käuferseitig heimische Nachfrager im Wettbewerb mit anderen europäischen Importeuren. Steigt dort die Zahlbereitschaft, hat dies Auswirkungen auch auf den heimischen Preis.

"Zu Beginn, verursacht vor allem durch besondere Umstände in Belgien, ergab sich ein großer Preisunterschied zwischen Österreich und dem günstigeren Deutschland. Die Jahresfutures lagen relativ schnell um 4,5 Euro/MWh auseinander, die Tagespreise sogar um etwa 8,6 Euro/MWh. Ein Jahr später lag der Preisunterschied schon bei 2 €/MWh und hat sich
auch bei den Jahresfutures auf diesem Niveau stabilisiert", erläutert Urbantschitsch diese Entwicklung.

Neue Tarifstruktur und Regulierungsperioden

Der europäische Energiemarkt heute ist viel vernetzter, transparenter und diversifizierter als noch vor einigen Jahren. Einst
klar verteilte Rollen zwischen Erzeugern und Endverbrauchern haben sich immer mehr verschoben und an die Stelle von ehemals passiven Konsumentinnen und Konsumenten sind vermehrt aktive Prosumerinnen und Prosumer getreten. "Das hat Änderungen mit sich gebracht, die sich auch in der künftigen Struktur der Netztarife wiederfinden müssen. Die E-Control hat diese Entwicklungen bereits vor Jahren erkannt und beschäftigt sich seit Langem – Stichwort Tarife 2.1 – mit der Umgestaltung der Netzentgeltstruktur für den Strombereich. Wir gehen davon aus, dass es hier in absehbarer Zeit zu einer entsprechenden Umsetzung kommen kann", ist Eigenbauer überzeugt.

Mit 1. Jänner 2018 und 2019 konnten neue Regulierungsperioden für die Strom- und Gasverteilernetzbetreiber erfolgreich gestartet werden. "Die Idee hinter der Regulierung ist es, die regulierten Netzbetreiber zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung zu bewegen, wovon die Netzkundinnen und -kunden auch langfristig profitieren. Gleichzeitig ist es wichtig, den betroffenen Netzbetreibern Planungssicherheit für notwendige Investitionen und stabile Rahmenbedingungen zu bieten. Und eine Balance zu finden zwischen Wirtschaftlichkeit des Systems und Leistbarkeit für die Endkundinnen und -kunden ist der E-Control in den vergangenen fünf Jahren gut gelungen", zeigt sich Eigenbauer überzeugt.

Österreich als Vorreiter beim Ladestellenverzeichnis

2019 wurde ein Ladestellenverzeichnis implementiert und somit ein weiterer Schritt zur Akzeptanz der E-Mobilität in Österreich gesetzt. "Mit diesem Ladestellenverzeichnis, das auf www.ladestellen.at öffentlich zugänglich ist, verfügt Österreich damit nun als eines der ersten Länder in der EU über ein flächendeckendes, nationales Ladepunktregister", freut sich Urbantschitsch. Und die Zahlen der registrierten Betreiber steigt auch kontinuierlich an. Mit Stand 11. März waren 113 Betreiber registriert, die in Summe rund 3.600 Ladestellen mit knapp 8.000 Ladepunkten gemeldet hatten. Bisher wurden auf dem Ladestellenverzeichnis 35.000 Besuche registriert.

Empfehlungen des Rechnungshofs umgesetzt

"Auch innerhalb der E-Control hat sich in den vergangenen fünf Jahren viel getan. So wurde – ausgehend von Empfehlungen eines Rechnungshofberichtes, die entsprechend umgesetzt wurden – in der E-Control ein Risikomanagementsystem implementiert, um sowohl bestehende Risiken als auch neue Risiken im Rahmen der Erfüllung der übertragenen Tätigkeiten erkennen zu können, sowie ein Internes Kontrollsystem entwickelt und umgesetzt", erläutert Eigenbauer neue interne Bestimmungen. Zudem wurde in der Regulierungsbehörde im Jahr 2019 erstmals ein nach ISO 27001 zertifiziertes Informationssicherheitsmanagementsystem eingeführt.

"In Summe hat die E-Control in den vergangenen fünf Jahren also eine hervorragende Arbeit geleistet und ich wünsche dem neuen Vorstandsteam und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterhin viel Erfolg und alles Gute", so Eigenbauer abschließend.