Elektrohandel

Zwischen Konsumrausch und Lieferstau

Das Jahr 2021 verlief unerwartet erfreulich für den Elektrohandel: TV-Geräte gingen "wie geschnittenes Brot" über die Ladentheke, Geschirrspüler waren auf Monate hinaus ausverkauft. Doch über 2021 steht ein großes Fragezeichen.

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Über "ein Wahnsinnsjahr mit einem Umsatzwachstum von 20 Prozent" freut sich Reinhard Felbinger: "Sogar der April 2020 lag über dem Vorjahr, obwohl wir in diesem Monat zwei Wochen zusperren mussten." Das Plus zog sich dabei quer über alle Produktgruppen, so der Fachhandelsleiter des Mollner ETech-Standorts. Einzig begrenzender Faktor war die Lieferverfügbarkeit. Da konnte es schon mal vorkommen, dass der hochpreisige Wäschetrockner, der Ende Oktober bestellt worden war, erst im Jänner eintrudelte.

Das deckt sich auch mit der Beobachtung Johann Wagners, des Vorsitzenden der Berufsgruppe Elektrohandel in der Wirtschaftskammer Oberösterreich: Insbesondere 65-Zoll-Fernseher hätten sich "wie geschnittenes Brot" verkauft. Geld, das sonst für den Urlaub ausgegeben werde, sei im Vorjahr unter anderem in Elektrogeräte investiert worden.

Mehr Marie mit der IT?

Als Geschäftsführer der Verbundgruppe ElectronicPartner hat Michael Hofer einen guten Überblick. Er spricht von einem "sehr positiven Jahr im Elektrohandel". EP: verzeichnet für das Vorjahr ein zumindest zweistelliges Plus. Dies gilt für alle Regionen inklusive Südtirol und alle Warengruppen. In hohem Ausmaß profitiert haben die Produktsegmente der Weißware, der TV-Geräte samt Peripherie sowie – dank Home Office und Home Schooling – der IT.

Damit gewann die vom stationären Handel sonst eher stiefmütterlich behandelte IT auch für diesen wieder an Attraktivität. Hofer: "Mit Notebook und Co. war wieder Geld zu verdienen. Mitglieder, die auf den Zug aufsprangen, konnte ihre Umsätze in diesem Bereich zum Teil deutlich vervielfachen." Freilich bildeten sich auch hier bald Lieferengpässe. Lieferanten waren zeitweise allein in Österreich und Deutschland mit sagenhaften 200.000 Druckern im Rückstand.

Geschirrspüler als Mangelware

Bei den Hausgeräten war’s nicht wesentlich anders. Kein Wunder bei einer explosionsartig ansteigenden Nachfrage. "Im Kühl- und Gefrierbereich hatten wir im April/Mai ein Plus von 200 bis 300 Prozent", schätzt der EP: Geschäftsführer. "Bei Geräten im Bereich Kochen/Backen lagen wir bis Jahresmitte bei plus 40 Prozent." 

Die Folge war der erwähnte Lieferstau. Wartezeiten von ein bis drei Monaten waren damit bald Standard. Am schlimmsten traf es die Geschirrspüler – nicht weil diese die am stärksten nachgefragte Produktgruppe gewesen wären, sondern weil die Zulieferer von Geschirrkörben mit der Produktion nicht nachkamen.

Die schlechte Nachricht: Hofer schätzt, dass die Engpässe bei der Verfügbarkeit noch einige Zeit anhalten dürften. Immerhin wurde mit dem Ausbau der Lagerhaltung von Weißware – im Speziellen Schnelldreher und Exklusivgeräte – seitens der Kooperation Vorsorge getroffen. Die gute: Auch die Nachfrage sollte in der ersten Jahreshälfte noch recht hoch sein. Durch die Corona-Maßnahmen sind die Menschen wohl oder übel angehalten, sich selbst zu bekochen. Der Bedarf an Webcams und Docking Stations fürs Home Office bleibt groß.

Bei den Hausgeräten sieht Branchenfunktionär Johann Wagner, der selbst drei Handelsstandorte betreibt, bereits Entspannung: „Mit Ausnahme der Geschirrspüler hat sich die Liefersituation mittlerweile stabilisiert. Wir haben wieder große Stückzahlen auf Lager, auch von den hochwertigen Geräten des Marktführers Miele.“

Auch die ersten Wochen des neuen Jahres lägen über dem Vorjahr. Bis April dürfte der Geschäftsverlauf so erfreulich weitergehen, schätzt Wagner. Danach wird es spannend. Sollten staatliche Unterstützungsmaßnahmen auslaufen, könnte dies die verfügbaren Haushaltsbudgets ab Mai zum Teil empfindlich schmälern.

Neue Stammkunden durch Corona

Ähnlich sieht dies EP: Chef Hofer: "Nach einem guten ersten Halbjahr erwarte ich ein eher angespanntes zweites Halbjahr. Zum einen, weil die Menschen im Sommer ihr Geld wieder für Urlaubsreisen ausgeben dürften, zum anderen, weil mit einer Pleitewelle und daraus resultierender Arbeitslosigkeit zu rechnen ist." Vorläufig sei jedoch noch viel Zusammenhalt in der Bevölkerung festzustellen und damit auch ein Trend, im Handel vor Ort einzukaufen, um die regionale Wirtschaft zu unterstützen.

Um dieses Wir-Gefühl zu fördern, investiert ElectronicPartner bewusst antizyklisch. Die Botschaft: "EP: Ein gutes Gefühl, regional zu kaufen!" Hofer: "Wir haben bei 30 Partnern vor Ort gedreht, das heißt, jeder vierte EP: Händler war bereits im TV zu sehen." Dazu kamen Hörfunk-Spots und die österreichweite Präsenz in Regionalmedien.

Unterstützt werden die Fachhändler auch durch das Angebot der Direktbelieferung ihrer Kunden. Die Zustellung erfolgt am Tag nach der Bestellung. Das Informationsangebot im Infonet wurde um Podcasts, News und Videos ausgeweitet. Die traditionelle EP: Mitgliederversammlung wird im heurigen Frühjahr virtuell stattfinden.

Zumindest einen positiven Effekt hatte die Corona-Krise, der durchaus auch nachhaltig sein könnte: "Nicht nur hatten so gut wie alle Händler ein Umsatzplus, sie haben dabei auch tausende Neukunden gewonnen", so Hofer. "Der stationäre Handel mit seiner Service-Ausrichtung ist für viele wieder attraktiver geworden."