Hilber Solar : Unkonventionelle PV-Lösungen: Wie ein Tiroler Unternehmen Impulse setzt
Hilber Solar-CEO Thomas Hilber
- © Hilber SolarFaltbare PV-Module im Container, PV-Carports oder Agri-PV-Systeme – mit Hilber Solar hat sich ein Tiroler Unternehmen in den letzten drei Jahrzehnten als internationaler Experte für unkonventionelle Solaranlagen etabliert. Nach der Gründung 1991 ergänzten bereits früh Eigenentwicklungen wie der nachgeführten "Mover", der dem Sonnenverlauf folgt und die Energieerträge damit optimiert, das Portfolio. Seit 2019 führt Thomas Hilber die Geschäfte und treibt die Produktentwicklung voran – mit dem Ziel, schlüsselfertige Gesamtpakete für mobile und stationäre Anwendungen zu bieten.
„Wir sind mit unserer Erfahrung im Markt immer offen und gehen sofort auf Kunden- und Marktanforderungen ein“, erklärt CEO Thomas Hilber die Spezialisierung des Unternehmens. Mit über 32 Jahren Erfahrung verfüge man über das notwendige Know-how, um schnell Lösungen zu entwickeln, die den aktuellen und zukünftigen Bedarf abdecken.
>> Immer up to date mit Meinungen und News rund um die österreichische PV-Branche sein? Abonnieren Sie unseren Newsletter – mit uns bleiben Sie informiert! Hier geht’s zur Anmeldung
SolarContainer: Mobile Microgrids
Während in den vergangenen Jahren klassische Dach- und Freiflächenanlagen den PV-Ausbau in Österreich prägten, verschiebt sich die Nachfrage zunehmend in Richtung Gesamtsysteme mit Speicher. „Der Markt in Österreich bewegt sich klar in Richtung Gesamtsysteme mit Batterie – von kleinen Lösungen ab 10 kWh bis hin zu Microgrids mit 5 MWh und mehr", sagt Hilber. Stark nachgefragt seien derzeit auch die Agri-PV-Systeme und SolarContainer, beide Aushängschilder und Joint Ventures des Unternehmens.
>>> Batteriespeicherbedarf in Österreich: 9 Gigawatt in 15 Jahren
Der SolarContainer ist ein mobiles und flexibles Photovoltaiksystem im genormten Format eines 20-Fuß-High-Cube-Frachtcontainers, das innerhalb weniger Stunden betriebsbereit ist. Via Faltsystem und Solarschienen können 240 PV-Module auf eine Gesamtlänge von mehr als 116 Meter aufgespannt werden. Eine Kapazität von 140 kWp und rund 720 Quadratmetern Paneelfläche liefern in sonnenreichen Regionen so bis zu 600 Kilowattstunden PV-Strom pro Tag. Die SolarContainer können sowohl ans Netz angeschlossen als auch Off-Grid konzeptioniert werden. Damit eignet sich die Lösung etwa für Energiegemeinschaften, netzunabhängige Einsätze bei Events oder an abgelegenen Orten, die lokale Unterstützung eines schwachen öffentlichen Netzes oder Lastspitzendeckung in Industrie und Gewerbe.
Als kleinere autarke Energiequelle bietet Hilber das SolarAggregat an – ab Werk mit 2,2 kWp Leistung und 3,6 kWh Speicher, in größeren Konfigurationen mit über 8 kWp und 10,8 kWh Speicher. Die Lösung eignet sich insbesondere für die Stromerzeugung auf Baustellen und kann auf Containern vor Ort installiert werden.
Agri-PV ist ein weiterer Schwerpunkt. Auch für landwirtschaftliche Flächen hält Hilber unter dem Schlagwort AgroSolar einige Konzepte bereit. Da gibt es einerseits AgroSolar Top, unterfahrbar entwickelt für mechanisierte Landwirtschaft und schattentolerante Pflanzen, aber auch AgroSolar Secure mit Hagelschutz und teiltransparenten Modulen für Sonderkulturen aus dem Obst‑, Wein- und Gemüseanbau. Dazu kommt AgroSolar Windbreaker mit bifazialen Photovoltaikmodulen, die vertikal und in Reihen auf erosionsgefährdeten Ackerflächen installiert werden und so den Wind brechen. Außerdem bringt das Unternehmen Know-how in die DIN SPEC 91434 ein – die maßgebliche Spezifikation zu Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung von Agri-PV-Anlagen.
Herausforderungen sind unser Antrieb!Thomas Hilber, Hilber Solar
Von Tirol bis Dubai
Am stärksten ist Hilber Solar derzeit in Deutschland vertreten. „Österreich ist ebenfalls ein wichtiger Markt, hier konzentrieren wir uns vor allem auf autarke Systeme für Baustellen und mobile Anwendungen", so Hilber. In Österreich und der Schweiz habe man in den letzten Jahren mehrere besondere Projekte umgesetzt, darunter Überdachungen von Klärbecken und ästhetische Fassaden-PV. „Mit unseren Microgrid-Lösungen sind wir zudem weltweit aktiv – zuletzt waren wir auch auf der größten Solarmesse im Mittleren Osten in Dubai mit unserem SolarContainer präsent", erklärt Hilber. Auch in Afrika entwickle sich das Projektgeschäft gut.
Auf der Website des Unternehmens liest sich unter dem Titel Sonderprojekte „Wir lieben die Herausforderung!“ – dafür gibt Hilber auch gerne Beispiele aus der Praxis: Da wäre einmal ein Projekt in Tirol, bei dem das Unternehmen eine komplette PV-Anlage per Helikopter auf über 3000 m Höhe geflogen hat, ein SolarContainer auf einem Anhänger in Oman oder eine Nachführungsanlage auf einem Hochhaus. Solche Beispiele würden zeigen, „dass für uns nichts unmöglich ist".
Neue Konzepte: Microgrids und Trinkwasserbereitung
Neben der Projektabwicklung steht auch die Produktentwicklung beim Tiroler Unternehmen nie still. Am Standort in Trins ist neben einem Forschungs- und Innovationszentrum auch der Prototypenbau beheimatet. „Aktuell liegt unser Fokus auf der Weiterentwicklung unserer weltweit einsetzbaren Microgrids mit Bezahlsystem und Miet-/Leasingoptionen", verrät Hilber. Besonders spannend sei für ihn zudem das neue Konzept SOLAQUA, das durch Solarenergie Trinkwasser aus der Luftfeuchtigkeit für netzferne Anwendungen gewinnt. Das Konzept macht sich das Kondensationsprinzip zu Nutze, dadurch entsteht eine Alternative zu Grundwasserbohrungen oder Meerwasserentsalzung. Je nach Containertyp können zwischen 1.000 und 10.000 Liter Trinkwasser pro Tag gewonnen werden.
>>> Fraunhofer: Floating-PV-Anlagen könnten Klimaresilienz von Seen steigern
Die Herausforderung bei PV-Carports ist derzeit die Amortisationsrechnung, da die Unterkonstruktion im Vergleich zu klassischen PV-Anlagen deutlich teurer ist. Hier sehen wir großes Potenzial in verbesserten Förderungen, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.Thomas Hilber, Hilber Solar
PV-Carports und PV-Bikeports: Infrastruktur für die Energiewende
Mit Blick auf die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD), die eine Solarpflicht, unter anderem ab 2029 auf neuen überdachten Parkplätzen vorsieht, verweist Hilber auf die Vorteile der hauseigener Fundamentlösungen. „Wir kennen die EU-Richtlinie und haben bereits patentierte Fundamentierungen entwickelt, die schnelle und kostengünstige Umsetzungen ermöglichen." Das Hybridfundament von Hilber Solar setzt anstelle von Beton auf Gewindestangen, die wie ein Wurzelsystem in den Boden getrieben, was Grabungsarbeiten vermeidet und die Konstruktion rückbaubar macht.
Die Herausforderung bei PV-Carports sieht der Hilber-CEO derzeit vielmehr die Amortisationsrechnung, da die Unterkonstruktion im Vergleich zu klassischen PV-Anlagen deutlich teurer sei. Großes Potenzial sieht er hingegen in verbesserten Förderungen – und in PV-Bikeports, die sich aktuell großer Beliebtheit bei Kommunen und öffentlichen Auftraggebern erfreuen. Die modularen Systeme bieten Platz für bis zu 24 Fahrräder, davon sieben überdacht und mit Ladeanschluss für E-Bikes. Auf Wunsch lassen sich Sitzgelegenheiten, Reparaturstationen oder auch Werbeflächen integrieren. „Damit sind die Bikeports nicht nur Lade- und Abstellinfrastruktur, sondern auch Treff- und Servicepunkte – eine nachhaltige und sichtbare Lösung für die Energiewende im Mobilitätsbereich“, fasst Hilber zusammen.