COVID-19 UND KLIMASCHUTZ

Coronakrise vs. Klimakrise – das ist Härte!

„Corona hat die Welt im Griff und bringt uns privat wie beruflich an die Grenzen“, stellte Bundesgremialobmann Andreas Wirth jüngst fest. Auf den Klimaschutz darf dennoch nicht vergessen werden. Wie’s gehen kann, erläutern Rexel-CEO J. Robert Pfarrwaller und der Solateur Daniel Nauschnegg.

Rexel-CEO J. Robert Pfarrwaller: „Konjunkturimpulse mit Maßnahmen für Klimaschutz verknüpfen.“

Österreichs Elektrotechniker haben ereignisreiche Wochen und Monate hinter sich, die die Nerven und die wirtschaftliche Stabilität des eigenen Unternehmens gleichermaßen auf eine harte Belastungsprobe stellten. Dennoch meinte Bundesgremialobmann Andreas Wirth im Interview jüngst pointiert: „Gegen Corona wird man eine Impfung finden. Für das Klima gibt es keine Impfung!“ Dass Covid-19 über weite Strecken Medien und Politik beherrsche, sei nachvollziehbar. Auf den Klimaschutz dürfte in der Coronakrise jedoch nicht vergessen werden.

Rexel-CEO J. Robert Pfarrwaller schlägt in die gleiche Kerbe. Der Sprecher des österreichischen Elektrogroßhandels plädiert für eine ökologische Steuerreform. So ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Klimawende würde vorangetrieben, die Wirtschaft angekurbelt. Gut investiertes Geld.

Coronakrise und Klimawende

Der Rexel-Chef dazu: „Aus meiner Sicht wird es notwendig sein, die nach der Coronakrise notwendigen Konjunkturimpulse mit Maßnahmen für den Klimaschutz zu verknüpfen. Das würde einen besonderen Stimulus für elektrotechnische Industrie, Handel und Gewerbe und damit für ein – auch gesamtwirtschaftlich gesehen – wertvolles Segment der heimischen Wertschöpfungskette bewirken.“ Zugleich wären dies nachhaltige Investitionen, die langfristig zu Kostensenkungen und zum Aufbau einer wettbewerbsfähigen Infrastruktur beitragen.

Pfarrwaller ist zuversichtlich, dass in allfälligen Konjunkturprogrammen neben der Digitalisierung auch die Bereiche der Klimawende und der Energieeffizienz einen Schub erhalten werden: „Als Branchensprecher plädiere ich daher für eine ökologische Steuerreform, um die Wirtschaft im Land wieder anzukurbeln.

Die Unternehmen brauchen Geld für Investitionen. Die Einkommen sind zu entlasten, um die Kaufkraft der Menschen zu steigern und den Konsum zu mobilisieren. „Dazu braucht’s Anreize, um die Sanierungsrate zu erhöhen“, so Pfarrwaller. Mit punktuellen Maßnahmen werde es nicht getan sein. Ein ganzheitlicher Ansatz sei erforderlich. „Die Gesundheitskrise ist vorerst einmal abgewendet. Die Wirtschaftskrise steht uns zum Teil erst noch bevor. Welches Ausmaß sie haben wird, hängt auch von den Maßnahmen ab, die jetzt gesetzt werden.“

Die Lehren aus der Corona Zeit

Ganz ähnlich sieht dies auch der Wirtschaftskammer-Funktionär und leidenschaftliche Solateur Daniel Nauschnegg: „Jeder Förder-Euro für den Klimaschutz schafft ein Vielfaches an Wertschöpfung und damit auch Arbeitsplätze.“ Der Geschäftsführer der Energietechnik Nauschnegg und von „Le Naturel“, einem „verpackungsfreien Bioladen“ (beide in Eibiswald), sowie Innungsmeister-Stellvertreter in der Landesinnung Steiermark sieht Chancen für eine Kehrtwende in der Klimapolitik.

Die gegenwärtige Situation hätte vielen die Augen geöffnet, meint er: „Das Coronavirus hat uns erst gezeigt, in welchem Dreck wir sonst das gesamte Jahr über leben. Der Himmel war auf einmal blau und das Meer in Venedig sauber. Die Stickoxid-Konzentrationen in Europa gingen schlagartig zurück.“

So schlimm die Pandemie sein mag, die Folgen einer Zunahme der Erderwärmung um 1,5 bis 2°C seien noch viel schlimmer. Was es daher jetzt brauche, seien Kostenwahrheit – auch was die zum Teil auf die Allgemeinheit abgewälzten Kosten unterschiedlicher Energieformen angeht – und eine vernünftige Förderpolitik.

Klimawende statt Klimakrise

In der Ausrichtung auf nachhaltige und klimafreundliche Technologien liege die künftige Rolle Europas: „Wir als Europäer haben die Chance, Weltmarktführer zu werden. Silicon Valley werden wir keines, Billigproduzenten auch nicht, aber Umwelttechnik ist unsere Domäne!“ Dafür braucht es konkret in Österreich neben Förderpolitik ein Ende des Fleckerlteppichs aus Bauverordnungen und -vorschriften.

Nauschnegg: „Egal, wie man die Regierungsmaßnahmen bewertet – es gibt auch einen positiven Aspekt: Man hat gesehen, wie schnell der Gesetzgeber reagieren kann, wenn der Hut brennt. Vielleicht schaffen wir das ja auch bei der Klimapolitik.“ Damit stünde der Weg zu einer echten Klimawende offen.