Gastbeitrag : Mehr Skills, weniger Stress: Ein Ansatz gegen den Fachkräftemangel
Weiterbildung darf in der Elektrotechnik und Energieversorgung nicht zu kurz kommen – muss sich aber an den Arbeitsalltag der Fachkräfte anpassen.
- © Good HabitzDie Auftragsbücher in der Elektrobranche sind voll, doch die Personaldecke wird immer dünner. Allein in der Energiewirtschaft fehlen aktuell bis zu 2.000 Fachkräfte. Eine Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts zeigt, dass in der gesamten Branche der Elektrotechnik und Informationstechnik sogar bis zu 13.800 Stellen unbesetzt sind. Das bedeutet, dass derzeit jede vierte Stelle nicht besetzt werden kann – Tendenz steigend. Statt die verbleibenden Fachkräfte weiter zu überlasten, braucht es einen smarteren Ansatz: gezielte Weiterbildung, die im Arbeitsalltag entlastet, statt zusätzlich zu fordern.
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Das Format ist entscheidend: Lernen für die Praxis
Die größte Hürde für Weiterbildung ist die Zeit. Ein*e Techniker*in im Außendienst oder Mitarbeitende im Schichtbetrieb können nicht einfach für ein zweitägiges Seminar aus dem Betrieb genommen werden. Die Lösung liegt in Formaten, die sich dem Arbeitsrhythmus anpassen.
Micro-Learning ist hier das Stichwort: Kurze, digitale Lerneinheiten von 10 bis 20 Minuten, die mobil auf einem Tablet oder Smartphone abgerufen werden können. So kann eine Wartezeit beim Kunden oder eine ruhigere Phase in der Werkstatt sinnvoll für eine kurze Lerneinheit genutzt werden. Anstatt starrer Termine ermöglicht dies ein flexibles Lernen „on demand“. Das entlastet nicht nur die Personalplanung, sondern erhöht auch die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden, da sie selbstbestimmt lernen können.
Um echte Lernmotivation zu schaffen, müssen Unternehmen über diese Pflicht hinausdenken und Inhalte anbieten, die den Mitarbeitenden ihre tägliche Arbeit erleichtern.
Vom Pflichtprogramm zur echten Hilfe: Inhalte, die motivieren
Fragt man Fachkräfte nach Weiterbildung, denken viele zuerst an die obligatorischen Sicherheitsunterweisungen – ein notwendiges, aber selten inspirierendes Pflichtprogramm. Um echte Lernmotivation zu schaffen, müssen Unternehmen über diese Pflicht hinausdenken und Inhalte anbieten, die den Mitarbeitenden ihre tägliche Arbeit erleichtern.
Ein kurzer Kurs zu neuen Normen, ein Video-Tutorial zur effizienteren Fehlersuche bei einem bestimmten Gerätetyp oder ein Training zur besseren Kommunikation mit schwierigen Kunden – das sind Inhalte mit direktem Praxisnutzen. Wenn Mitarbeitende merken, dass ihnen das Lernangebot konkret hilft, Zeit zu sparen oder Probleme schneller zu lösen, entsteht ein positiver Pull-Effekt. Lernen wird dann nicht mehr als lästige Pflicht, sondern als wertvolles Werkzeug wahrgenommen.
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Einblicke aus der Praxis: Impulse von Wien Energie
Die Herausforderung, ein Lernangebot für eine extrem vielfältige Belegschaft zu schaffen, ist in der Energiebranche weit verbreitet. Ein Beispiel dafür ist Wien Energie. Mit Mitarbeitenden im Büro, im Außendienst und im Schichtbetrieb im Kraftwerk war klar, dass starre Präsenzschulungen nicht für alle realisierbar sind.
Die Lösung war die Einführung einer flexiblen, digitalen Ergänzung zum bestehenden Schulungsprogramm. Ziel war es, den Mitarbeitenden zeit- und ortsunabhängiges Lernen in kleinen Einheiten zu ermöglichen. Das vereinfacht das Lernen insbesondere für alle, die nicht vom Schreibtisch aus arbeiten.
Für den Erfolg war es entscheidend, das gesamte L&D-Team einzubinden und die Online-Kurse von Anfang an strategisch in bestehende Formate wie Onboardings oder Führungskräftetrainings zu integrieren. Eine interne Umfrage bestätigte die positive Annahme des Angebots, wobei besonders Kurse rund um M365 beliebt sind.
Die Weichen für morgen stellen: Von Jobtiteln zu Kompetenzprofilen
Die technologische Entwicklung ist rasant. Eine Fachkraft, die heute PV-Anlagen installiert, muss morgen vielleicht komplexe Energiespeichersysteme warten oder in Smart Grids integrieren. Starre Jobprofile werden dieser Dynamik nicht mehr gerecht. Zukunftsorientierte Betriebe denken daher in Kompetenzen statt in Titeln.
Sie analysieren: Welche Fähigkeiten brauchen wir in ein, zwei oder fünf Jahren? Wo gibt es Lücken im Team? Ein skill-basierter Ansatz ermöglicht es, Mitarbeitende gezielt weiterzuentwickeln und flexibel auf neue Marktanforderungen zu reagieren. Das sichert nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs, sondern bietet den Fachkräften auch eine klare Entwicklungsperspektive und erhöht ihre Bindung an das Unternehmen.
Die nachhaltigste Strategie ist die Investition in die Kompetenzen der eigenen Belegschaft.
Fazit: Investition in Köpfe statt in Überstunden
Der Fachkräftemangel ist eine strukturelle Herausforderung, die sich nicht mit kurzfristigen Maßnahmen lösen lässt. Die nachhaltigste Strategie ist die Investition in die Kompetenzen der eigenen Belegschaft. Indem Betriebe auf flexible Lernformate, praxisrelevante Inhalte und eine zukunftsorientierte Personalentwicklung setzen, steigern sie nicht nur die Effizienz und Qualität ihrer Arbeit. Sie schaffen auch ein Arbeitsumfeld, in dem Fachkräfte sich wertgeschätzt fühlen und gerne bleiben. Das ist der wirksamste Hebel, um dem Stress der Branche zu begegnen.
Über GoodHabitz
GoodHabitz ist ein international tätiger Anbieter digitaler Lernlösungen mit Hauptsitz in Eindhoven, Niederlande. Seit der Gründung im Jahr 2011 unterstützt das Unternehmen Organisationen dabei, kontinuierliche Weiterbildung fest im Arbeitsalltag zu verankern. Das Portfolio umfasst praxisnahe Online-Trainings und Selbsttests in den Bereichen Soft Skills, digitale Kompetenzen und Sprachen.
Ein zentrales Element ist die enge Begleitung durch persönliche Coaches, die Unternehmen beim Aufbau einer nachhaltigen Lernkultur unterstützen. Heute setzen mehr als 3.000 Kund*innen – darunter Unternehmen wie Puma, Siemens, Haribo, Signal Iduna und der ADAC – auf die Lösungen von GoodHabitz. Weltweit sind über 350 Mitarbeitende an 9 Standorten für das Unternehmen tätig.