Trends in der Ladeinfrastruktur : Volle Ladung für die E-Mobilität
Die Elektroautomobilisten sind bereit für die Zukunft bidirektionalen Ladens, so das Ergebnis einer Studie.
- © go-e GmbHRechtzeitig zur Intersolar konnte go-e-Marketingleiter Ronald Kroke nicht nur Produktneuheiten verkünden: Künftig können die Ladestationen des Unternehmens auch ins Universum des Energietechnologie-Anbieters Kraken integriert werden. Die neue Systempartnerschaft steht kurz vor dem Roll-out. „Das schafft für Nutzer zusätzliche Möglichkeiten, vom Energiemarkt zu profitieren“, weiß Kroke. Dem Kärntner Unternehmen wiederum bringe es mehr Sichtbarkeit in neuen Märkten. Bei Kraken handelt es sich um eine Auskoppelung aus dem britischen Energieversorger Octopus Energy. Damit ist die Rutsche für den Markteintritt in Großbritannien gelegt.
Im deutschen Home-Charging-Markt hat go-e laut Marktforschungsinstitut LCP Delta seit 2023 die Marktführerschaft inne (finale Zahlen für 2025 waren zu Redaktionsschluss noch ausständig). Ähnlich die Situation in Österreich: „Mangels unabhängiger Zahlen müssen wir uns hier allerdings auf unsere eigene Marktforschung berufen.“ Ein großer, weiterhin wachsender Markt ist die Türkei, in Städten wie Istanbul und Ankara sind eigene go-e-Markenshops zu finden. „Im Fokus ist für uns Europa. In Finnland und Schweden sind wir stark, in Italien und den Benelux-Ländern sind wir kürzlich eingestiegen.“
Die Bearbeitung dieser Länder erfolgt über eigene Mitarbeitende und über Partner vor Ort. Für die Beantwortung aller Fragen rund um die Elektromobilität in Deutsch, Englisch oder Französisch steht in Kärnten eine Supportabteilung zur Verfügung.
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Schnittpunkt zwischen professionell & privat
Aktuelle Produktinnovationen sind schwerpunktmäßig auf den Bedarf von Unternehmen, aber etwa auch von Mehrfamilienhäusern ausgerichtet. Werden doch in Österreich rund 80 Prozent aller E-Pkw zunächst als Firmenautos zugelassen. Kroke sieht auch den Gebrauchtwagenmarkt in Bewegung: „Der Krieg im Iran lässt die Preise an der Tankstelle hochgehen. Aus Sicht der Privatkunden macht die Investition in ein Elektrofahrzeug damit wirtschaftlich noch mehr Sinn.“
Der heimische Anbieter bietet ein breites Sortiment für alle Ansprüche. Professionelle Geräte kommen dabei nicht nur an Unternehmensstandorten infrage. „Der Außendienstmitarbeiter kann seinen Dienstwagen so zu Hause laden und die nachweislichen Energiekosten dem Arbeitgeber in Rechnung stellen.“
Sonderausgabe: Sonne, Strom & Speicher
Im neuen Extrablatt "Sonne, Strom & Speicher" in Kooperation mit unserem Schwesternmagazin TGA geht es um die erneuerbare Elektrifizierung von Gebäude und Mobilität – und Sie können kostenlos hineinlesen!
Diese Inhalte sind dabei:
- Stromspeicher‐Inspektion 2026: Welche Produkte stehen am Stockerl?
- Wachstumsmärkte: Zahlen zu PV‐Installation und E‐Autozulassung
- Intersolar 2026: Gewerbespeicher im Fokus
- C&I: Sunlumo-CEO Robert Buchinger über das Herzstück der erneuerbaren Elektrifizierung
- Gerhard Rimpler, my-PV: „Eigenverbrauchsoptimierung ist das Gebot der Stunde“
- Skalierbare Lösungen: Sonnenkraft für die Landwirtschaft
- Studie: Was Batteriespeicher wirklich bringen
- Förderungen & der Fiskus: Wie sind Subventionen steuerlich zu behandeln?
- uvm.!
V2X in der Warteschleife
Künftig könnte das Elektroauto nicht nur der Mobilität dienen, sondern auch als flexibler Verbraucher und mobiler Speicher eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist bidirektionales Laden. Auch wenn die neuen Ladestationen aus dem Hause go-e V2X-ready sein mögen, sieht der Marketingleiter die Zeit dafür noch nicht gekommen. Dabei wurde etwa in Deutschland gerade wieder eine Förderschiene für bidirektionale Ladegeräte geschaffen. „Auf der Liste der infrage kommenden Modelle findet sich eine einzige bidirektionale DC-Ladestation, die es noch gar nicht zu kaufen gibt.“
Immerhin wird es damit wohl bald ein ISO-15118-konformes Angebot im DC-Bereich geben. Die Norm für die Kommunikation zwischen Elektrofahrzeug und Ladeinfrastruktur regelt die Standards für Vehicle-to-Grid, Vehicle-to-Home, Plug & Charge (automatische Authentifizierung) und den verschlüsselten Datenaustausch.
Unzureichende Standardisierung und rechtliche Regelung ortet Kroke im Wechselstrombereich. Grundanforderung laut Norm ist die Integration eines PLC-Moduls. „Die passende Software fehlt dabei aber meist noch.“ Ab 1.1.2027 schreibt die AFIR (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) auch für private Ladepunkte die hardwareseitige Konformität zur ISO 15118 vor. Kroke schätzt, dass es noch zwei Jahren dauern wird, ehe das Thema am Markt aufschlägt. „Derzeit gibt es Pilotprojekte in mehreren Ländern. Diese funktionieren aber meist nur mit einem E-Auto-Modell, einer einzigen Wallbox und mit einem bestimmten Stromtarifmodell.“
Die Kund*innen sind bereit
Die Privatnutzer*innen scheinen bereit für die Zukunft bidirektionalen Ladens, wie eine aktuelle Umfrage der V2G Alliance Austria zeigt: Demnach würden drei Viertel der mehr als 800 Befragten in entsprechende Technologien investieren. In etwa ebenso viele könnten sich vorstellen, ihr Fahrzeug zur Stabilisierung des Stromnetzes einzusetzen bzw. dieses gegen Entgelt entladen zu lassen.
V2G-Use-Case
Erste Use-Cases und Geschäftsmodelle für Vehicle-to-Grid-Lösungen wurden beim dritten Plattformtreffen der V2G Alliance Austria diskutiert, die Ende April in Neulengbach stattfand.
Eines der ersten V2G-Angebote in Europa wurde von Renault gemeinsam mit Tochterunternehmen Mobilize und The Mobility House entwickelt: eine Paketlösung zur Nutzung bidirektionalen Ladens, die Fahrzeug, Ladeinfrastruktur und Energiedienstleistung kombiniert.
Mit dem Kauf eines kompatiblen Elektroautos (Renault R5 E-Tech, R4 E-Tech, Mégane E-Tech, Scenic E-Tech, Alpine A290) erhalten Kund*innen Zugang zu einer speziell entwickelten, AC-bidirektionalen Wallbox (Mobilize PowerBox Verso) und zu einem Ökostromvertrag mit The Mobility House. Die Steuerung des Gesamtsystems erfolgt via App (My Renault, My Alpine). Automatisierte (Ent-)Ladungen können konfiguriert werden.
Einnahmequelle E-Auto
„Aus wirtschaftlicher Sicht basiert das Geschäftsmodell auf der Monetarisierung von Flexibilität im Energiesystem“, schildert Kurt Leonhartsberger. Der impeect-Geschäftsführer ist Teil des Forschungsprojekts „V2G Network“. „Die Fahrzeugbatterie wird nicht nur für den Eigenverbrauch genutzt, sondern aktiv in den Strommarkt integriert.“
Als Aggregator und Händler bündelt The Mobility House die verfügbaren Speicherkapazitäten der eingebundenen Fahrzeuge und vermarktet diese. Endkunden erhalten 10,76 Cent für jede Stunde, die das E-Auto an der bidi-Wallbox angesteckt ist, sowie einen Vorzugstarif von 17,93 Cent pro Kilowattstunde für Ladevorgänge.