Mobile Stromspeicher : Post testet bidirektionales Laden von E-Fahrzeugen

Stefan Stallinger, Technikvorstand, EVN (links) mit Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter, Vorstand für Paket & Logistik, Österreichische Post AG (rechts)

Stefan Stallinger, Technikvorstand EVN (links) mit Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter und Vorstand für Paket & Logistik bei der Österreichischen Post AG (rechts)

- © Österreichische Post AG

Die Österreichische Post, das Energieversorgungsunternehmen EVN und Netz Niederösterreich testen in Mautern an der Donau das bidirektionale Laden von E-Fahrzeugen. Im Test von "Vehicle-to-Grid" (V2G) werden fünf E-Fahrzeuge der Marke Maxus an Wallboxen von Zape nicht nur geladen, sondern können Strom auch ins öffentliche Netz einspeisen.

In Kombination mit der Photovoltaikanlage am Dach der Postbasis in Mautern an der Donau wird der tagsüber erzeugte Strom während der Standzeiten der Fahrzeuge – etwa am Nachmittag oder am Wochenende – in den Batterien der E-Fahrzeuge gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgegeben. Die E-Fahrzeuge der Post agieren damit als großer, gebündelter Stromspeicher.

>> Immer up to date mit Projekten der Branche sein? Abonnieren Sie unseren Elektropraxis-Newsletter – mit uns bleiben Sie informiert! Hier geht’s zur Anmeldung

Wenn der Praxistest gelingt, könnte unsere E-Flotte zu einem dezentralisierten Speichersystem werden.
Peter Umundum, Österreichische Post

E-Flotte als dezentrales Speichersystem

Da für das bidirektionale Laden in Österreich bislang noch die Rahmenbedingungen fehlen, betreten die Projektpartner*innen regulatorisch und technisch Neuland. Netz Niederösterreich und die EVN nutzen den Pilottest gemeinsam mit der Post, um konkrete Praxiserfahrungen zu sammeln und mögliche zukünftige Standards für das Energienetz zu entwickeln.

„Das bidirektionale Laden ist ein möglicher nächster Schritt: Wenn der Praxistest gelingt, könnte unsere E-Flotte zu einem dezentralisierten Speichersystem werden", sagt Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter und Vorstand für Paket & Logistik bei der Österreichische Post AG. Die Post betreibt heute schon über 6.000 E-Fahrzeuge, mehr als 20 MWp Photovoltaik und ein österreichweites Netz an Ladepunkten, die sie so zusätzlich nutzen könnte. Das Projekt zeigte welches Potenzial in dieser Infrastruktur stecke, für die Post und für die Energiewende in Österreich, so Umundum. Stefan Stallinger, Technikvorstand, EVN stimmt zu: „Wir brauchen bidirektionales Laden, um Elektrofahrzeuge künftig noch intelligenter in das Energiesystem einzubinden und wertvolle Flexibilität bereitzustellen."

>> Vielversprechende Simulation für E-Auto als Stromspeicher

Flexibilitäten fürs Stromnetz

Als größte E-Flottenbetreiberin Österreichs bietet die Post ideale Voraussetzungen für intelligente Ladestrategien. E-Fahrzeuge können künftig bevorzugt dann geladen werden, wenn Strom am Markt günstig und ausreichend verfügbar ist. Da die Zustellflotte in der Regel vom Nachmittag bis zum nächsten Morgen an den Ladestationen der Zustellbasen parkt, ergibt sich ein erhebliches Verschiebepotenzial für Ladevorgänge.

Aus heutiger Sicht sollte bidirektionales Laden in Österreich ab Anfang 2027 möglich werden. Mit dieser Technologie kommt der Vorteil hinzu, dass die E-Fahrzeuge gespeicherten – oder mittels Photovoltaik selbst erzeugten – Strom zu wirtschaftlich optimalen Zeitpunkten wieder einspeisen können. Diese Flexibilität könnte auch genutzt werden, um das Netz bei Engpässen zu entlasten, Lastspitzen zu kappen (Peak Shaving) oder den Eigenverbrauch von Photovoltaikanlagen zu erhöhen, was schlussendlich das öffentliche Stromnetz entlasten würde.

Sie wollen mehr?