Energiewende : Warum in Deutschland über ein "freiwilliges Solarjahr" diskutiert wird
Energieökonomie-Professorin Claudia Kemfert sieht viele Vorteile in dem Konzept eines "freiwilligen Solarjahrs".
- © Oliver BetkeEin "freiwilliges Solarjahr" schwebt der deutschen Energieökonomie-Professorin Claudia Kemfert in einem Gastbeitrag auf chip.de vor. Anstatt wiederholt über die Wehrpflicht oder andere Dienstpflichten in Deutschland zu diskutieren, regt sie an, das Konzept weiterzuentwickeln und ein Solarjahr als einen möglichen Gesellschaftsdienst anzubieten. Junge Erwachsene zwischen 18 und 27 würden dann aktiv an der Energiewende beteiligt, indem sie beim Aufbau von Solaranlagen, bei Energiegenossenschaften oder anderen Klimaprojekten mithelfen. „Ein solches Solarjahr wäre mehr als ein symbolischer Beitrag – es wäre ein praktischer Baustein einer generationenübergreifenden Zukunftsaufgabe. Es verbindet Bildung, Klimaschutz und gesellschaftliche Verantwortung", schreibt Kemfert.
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Gut für den Fachkräftemangel
Außerdem würde eine solche Arbeit laut Kemfert auch für den Arbeitsmarkt relevante Fähigkeiten vermitteln. Denn auch Deutschland hat dem Fachkräftemangel im Energiebereich zu kämpfen: Modellrechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, dass für die Umsetzung der Energiewende bis 2030 rund 157.000 zusätzliche Arbeitskräfte benötigt werden, bis zum Jahr 2040 nochmal 102.000. Für die Folgen des Klimawandels und Anpassungsmaßnahmen wären nochmal über 40.000 zusätzliche Arbeitskräfte notwendig.
Als drittes Positivum führt die Energieökonomin die außenpolitische Signalwirkung eines solchen Solarjahrs an: Mehr heimische Sonnenenergie und weniger Energieabhängigkeit für Deutschland – quasi auch ein "Friedensprojekt". Seit 2004 leitet Kemfert die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und ist Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana Universität. Im April ist ihr Buch „Kurzschluss- Wie wir unsere Energiezukunft verspielen" erschienen.
Freiwilliges Umweltjahr in Österreich
Im Gegensatz zu Deutschland gilt in Österreich die Wehrpflicht, die entweder als Grundwehrdienst oder Zivildienst abgegolten werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist seit 2012 das sogenannte "freiwillige Umweltjahr" (FUJ), das als Zivildienstersatz angerechnet werden kann. Dafür ist eine Dauer von mindestens zehn Monaten nötig, außerdem werden junge Männer dort nicht wie beim Zivildienst automatisch zugewiesen, sondern müssen sich bewerben. Das FUJ kann bei mehr als 90 gemeinnützigen Organisationen in Österreich absolviert sein und umfasst Bereich wie erneuerbare Energien, Umweltschutz und Umweltbildung, Natur- und Artenschutz, Tierschutz und mehr.