Lampentausch : LED-Umrüstung in Wien auf der Zielgeraden

Beleuchtung Floridsdorfer Brücke Blickrichtung Floridsdorfer Hauptstraße bzw. Wasserpark nach dem LED-Lampentausch

Beleuchtung Floridsdorfer Brücke Blickrichtung Floridsdorfer Hauptstraße bzw. Wasserpark nach dem LED-Lampentausch.

- © MA33/Christian Fürthner

Wenn die Sonne untergeht, beginnt Wiens Lichtgeschichte: Seit 2017 sind inzwischen 108.000 der rund 133.000 Leuchten auf LED umgerüstet. Mit mehr als 80 Prozent der gesamten Beleuchtung umgestellt, befindet sich Wien auf der Zielgeraden zur vollständigen klimafreundlichen Beleuchtung in der Millionenmetropole. 

„Wien ist international Vorreiterin und zählt zu wenigen Städten weltweit, die die Beleuchtung vollständig auf LED umrüsten und damit fast fertig ist. Zudem sparen wir so mehr als 60 Prozent der bisher benötigten Energie und leisten einen Beitrag gegen Lichtverschmutzung und für Insektenschutz und Artenvielfalt, wie Studien zum Thema belegen", sagt Wiens Planungsstadträtin Ulli Sima. Dass die Wiener*innen dafür auch noch einen klareren Sternenhimmel „geschenkt bekommen“, sei ein erfreulicher Nebeneffekt.

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Beleuchtung Floridsdorfer Brücke Blickrichtung Floridsdorfer Hauptstraße bzw. Wasserpark vor dem LED-Lampentausch.

- © MA33/Christian Fürthner

Wiener Standardleuchte

In Wien sind rund 2.800 Kilometer Straße beleuchtet – das entspricht der Strecke einmal um ganz Österreich. Zur Beleuchtung gehören Seilhänge-, Mastansatz- und Vintageleuchten. Ihre Umstellung ist eingebettet in ein umfassendes Wartungs- und Instandhaltungskonzept mit hohem Eigenleistungsanteil bei der Errichtung. 

Die Innovation der Wiener Standardleuchte liegt in der Standardisierung der elektrischen und mechanischen Schnittstelle: Gehäuse und Einsatz sind funktional voneinander getrennt. Sämtliche Elemente zur Lichterzeugung und -lenkung befinden sich im Leuchten-Einsatz. Dieser kann flexibel gewählt und eingesetzt werden – unabhängig von Hersteller, eingesetzter Lichttechnik (wie LED, Halogen-Metalldampf, Natriumhochdruckdampf etc.) oder spezifischen lichttechnischen Anforderungen.

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„Alle Leuchten in Wien verfügen über einen eigens entwickelten, maßgeschneiderten Einsatz. Da es am Markt keine Lösung gab, die den technischen und städtebaulichen Anforderungen einer Millionenstadt gerecht wurde, haben wir in der MA 33 diese Lösung eben selbst entwickelt – ein echtes Wiener Original“, so Andreas Terzer, Leiter der MA 33 - Wien leuchtet.

Das Gehäuse übernimmt ausschließlich die Rolle des mechanischen Schutzes für die elektrischen und mechanischen Bauteile, vergleichbar mit einem Schaltkasten. Wartungsarbeiten lasse sich ohne Werkzeug durchführen und im Fall eines Defekts kann der Einsatz mit wenigen Handgriffen ersetzt werden.

Noch 25.000 Leuchten bis zur Vollendung

Die LED Straßenbeleuchtung Wiens spart über 60 Prozent Energie ein – ein wichtiger Beitrag zur Reduktion des städtischen Stromverbrauchs. Aber die Vorteile reichen über die Stromrechnung hinaus: Die Umrüstung senkt den Beitrag zur Nachthimmelaufhellung signifikant, schützt die Artenvielfalt und verbessert die Lebensqualität für Mensch und Tier. Eine Reduktion der Fassadenanstrahlung und somit weniger Licht in Wohn- und Schlafräumen kommen dem Schlaf der Wiener*innen zugute. Auch die Verkehrssicherheit wird durch Blendreduktion und gleichmäßigere Beleuchtung gesteigert, wie Studien belegen. Nach dem Leuchtentausch spart Wien pro Jahr rund 1.000 Tonnen CO₂ gegenüber den alten konventionellen Leuchten. 

Die verbleibenden 20 Prozent der alten Leuchten werden weiterhin sukzessive umgerüstet. Voraussichtlich sind die restlichen Mastleuchten bis Ende 2026 fertig getauscht. Dann gibt es noch rund 3.500 Vintageleuchten, die in der Umrüstung etwas aufwendiger sind. Diese werden in der finalen Etappe bis 2028 dann ebenfalls die original Wiener Standardeinsätze enthalten.

Bei der Wiener Standardleuchte sind Gehäuse und Einsatz funktional voneinander getrennt.

- © MA33/Christian Fürthner

Moderne Beleuchtung für Verkehrssicherheit

Eine der wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Beleuchtung ist es, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Die neuen Leuchten sorgen für gleichmäßige Helligkeit auf Straßen und Gehwegen, um Verkehrshindernissen gut wahrnehmbar zu machen. Künftig werden alle Leuchten in einem Straßenzug dieselbe Lichtfarbe haben, Konfliktzonen wie ungeregelte Kreuzungen und Schutzwege werden intensiver beleuchtet. Die Straßenbeleuchtung wird aus Effizienzgründen gedimmt, ausgenommen davon sind Geh- und Radwege in Wien.

Auch an der Lichtfarbe wurde geschraubt. Die neuen LED-Leuchten beleuchten Geh- und Radwege, sowie naturnahe Bereiche mit einer wärmeren Lichtfarbe von 3.000 Kelvin (warmweiß). In der Straßenbeleuchtung kommen 4.000 Kelvin (neutralweiß) zur Anwendung. Das entspricht in etwa der Farbtemperatur des Mondlichts.

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LED bringt Boost für die Natur

Begleituntersuchungen auf der Donauinsel – durchgeführt in Zusammenarbeit mit der Wiener Umweltanwaltschaft – zeigen, dass die neuen Leuchten rund 80 Prozent weniger Insekten anlocken. Diese verringerte Anziehungskraft hilft, nachtaktive Arten zu schützen und das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. Ein zentrales Element der neuen Beleuchtung ist zudem das sogenannte „Full-Cut-Off Design“ der Wiener Standardleuchte. Es sorgt dafür, dass das Licht gezielt auf Wege, Straßen und Plätze gelenkt wird, ohne in den Himmel zu abstrahlen. Das reduziert die Lichtverschmutzung.