Energieimporte : Österreichs eigene Energie reicht nur bis 30. Mai

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Österreich kann sich aktuell rein rechnerisch nur bis inklusive 30. Mai selbst mit Energie versorgen.

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Ab 31. Mai ist Österreich für das restliche Jahre auf fast vollständig fossile Energieimporte angewiesen. Denn das Land kann sich aktuell rein rechnerisch nur bis inklusive 30. Mai selbst mit Energie versorgen. Der Anteil von inländisch erzeugter Energie am Gesamtverbrauch lag 2025 bei 41 Prozent, den Rest müssen Importe ausgleichen. Während erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und Biomasse vollständig im Inland erzeugt werden, ist die Importabhängigkeit bei fossilen Energieträgern besonders hoch: mehr als 90 Prozent bei Gas, 95 Prozent bei Öl und 100 Prozent bei Kohle. Die Importe stammen vielfach aus außereuropäischen Ländern wie Kasachstan, Libyen oder den USA und machen Österreich abhängig von internationalen Entwicklungen – mit allen preislichen, strategischen und versorgungstechnischen Konsequenzen, wie die Österreichische Energieagentur warnt.

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Das Ziel ist nicht Autarkie, sondern mehr Souveränität in Österreich und Europa.
Franz Angerer, Österreichische Energieagentur

Milliarden fließen in Importe

Die hohe Importquote ist auch ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor. Die Netto-Ausgaben für Energieimporte belaufen sich im Durchschnitt der letzten 10 Jahre auf jährlich 10 Milliarden Euro. Im Krisenjahr 2022 war der Abfluss an Geldmitteln mit 20 Milliarden Euro sogar doppelt so hoch. Nach einem Rückgang auf 8 Milliarden Euro im Jahr 2025 wird für 2026 angesichts des Iran-Kriegs ein deutlicher Anstieg erwartet.

Franz Angerer, Geschäftsführer Österreichische Energieagentur, dazu: „Die Abhängigkeit von Energieimporten kostet Österreich jedes Jahr Milliarden. Gleichzeitig zeigen erneuerbare Energien, dass wir Wertschöpfung im Land halten können. Sie sind ein zentraler Faktor für wirtschaftliche Stabilität und Versorgungssicherheit.“ Und ergänzt: „Das Ziel ist nicht Autarkie, sondern mehr Souveränität in Österreich und Europa."

Österreich importiert täglich rund 170.000 Barrel Rohöl. Allein in den ersten drei Monaten des aktuellen Konflikts am Persischen Golf entstanden infolge der gestiegenen Ölpreise Import-Mehrkosten von rund 450 Millionen Euro. Steigende Preise bei Diesel und Gas verstärken diesen Effekt zusätzlich.

Weniger Importabhängigkeit durch Elektrifizierung des Verkehrs

Die Nutzung von Energieträgern ist je nach Sektor unterschiedlich. Besonders hoch ist der Anteil fossiler Energieträger in der Industrie mit Gas und im Verkehr mit Öl. Im Jahr 2025 wurden 104 TWh Ölprodukte verbraucht, davon 85 Prozent im Verkehrssektor. „Gerade im Verkehr spüren wir diese Abhängigkeit unmittelbar – etwa an der Tankstelle. Mit andauernden geopolitischen Spannungen kann auch die Versorgungssicherheit unter Druck geraten", weiß Christoph Dolna-Gruber, Leiter Strategy & Development der Österreichischen Energieagentur.

Ein zentraler Hebel zur Reduktion der Importabhängigkeit und für mehr Effizienz ist daher die Elektrifizierung des Verkehrs. Sie verschiebt den Energiebedarf in Richtung Strom – ein Bereich, in dem Österreich bereits hohe erneuerbare Anteile sowie Potenziale zum weiteren Ausbau hat – und erhöht zugleich die Effizienz: Während der Wirkungsgrad bei Elektroautos bei rund 75 Prozent liegt, sind es bei Diesel nur rund 25 Prozent, das heißt, drei Viertel der eingesetzten Energie gehen verloren. Laut Angerer hätte Österreich die technischen und systemischen Voraussetzungen, um Elektromobilität flächendeckend umzusetzen. „Wenn wir bis 2040 den gesamten Verkehrssektor elektrifizieren, haben wir einen zusätzlichen Strombedarf von 18 TWh. Das entspricht genau dem Erneuerbaren-Ausbau von 2010 bis 2024.”

PKWs: Starkes Plus bei E-Neuzulassungen

In den ersten vier Monaten dieses Jahres ging die Zahl an Neuzulassungen stark nach oben, in den Monaten März und April lag der Anteil bei 25 bzw. 26 Prozent. Bis Ende April 2026 wurden in Österreich 24.469 E-Pkw neu zugelassen. Das sind 23,4 Prozent aller Neuzulassungen; gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 23,2 Prozent. Diesen Trend bestätigen auch Zahlen aus dem Gebrauchtwagensektor: Die private Verkaufsplattform willhaben verzeichnet im März 2026 bei den Anfragen auf E-Autos einen Anstieg um fast 100 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Jahresvergleich lagen die Anfragen sogar um den Faktor 2,3 höher als noch im März 2025. Gleichzeitig wächst der Anteil von E-Autos am Gebrauchtwagen-Gesamtangebot derzeit nicht mehr so stark, das heißt, es werden im Moment überproportional viele Benzin- und Dieselfahrzeuge zum Verkauf angeboten.

Ein Energiesystem mit E-Autos

Elektromobilität ist mehr als ein Antriebswechsel: Elektrofahrzeuge werden zunehmend Teil des Energiesystems. Durch intelligentes Laden können sie dann Strom aufnehmen, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist – das stabilisiert die Netze, reduziert Lastspitzen und senkt Kosten. Einsparungen von bis zu 20 Prozent sind selbst bei einfachem Lastmanagement möglich.

Mit bidirektionalem Laden können Fahrzeuge künftig auch Strom zurück ins Netz oder in Gebäude einspeisen. Ein modernes Elektroauto kann bei rund 80 Kilowattstunden Speicherkapazität, halbvoll geladen, ein Einfamilienhaus etwa drei Tage mit Strom versorgen. Besonders in Kombination mit Photovoltaik und dynamischen Stromtarifen kann das E-Auto so zum flexiblen Stromspeicher werden. Die Voraussetzung für das breite Ausrollen des bidirektionalen Ladens sind laut Ute Teufelberger, Geschäftsführerin der E-VO eMobility, standardisierte technische Protokolle zwischen Auto, Ladestelle und Energiehändler sowie Regularien, auf deren Basis Ladeverträge geschlossen werden.

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Im Schwerverkehr zeichnet sich im Übrigen ebenfalls ein Wendepunkt ab: Steigende Energiepreise und technologische Entwicklungen haben dazu geführt, dass elektrisch betriebene Lkw zunehmend wirtschaftlich werden. Der Break-even liegt laut Branchenangaben bei rund 30 Cent pro Kilowattstunde. Bis Ende 2025 waren knapp 18.000 E-Lkw in Österreich zugelassen, bis Ende April 2026 kamen in diesem Jahr 1.611 neue Fahrzeuge hinzu.

„Wir reden sehr viel über Strom- und Treibstoffpreise und Kosten für die Anschaffung von Fahrzeugen. Bei dieser Rechnung vergessen wir oft, dass die Elektrifizierung der Mobilität viele volkswirtschaftliche Benefits mit sich bringt. Für die Gesundheit, weil Abgase und Lärm weniger werden. Aber natürlich auch, weil wir damit Importabhängigkeiten reduzieren, Kaufkraftabfluss verringern und wieder mehr Kontrolle über die Energieerzeugung erlangen”, so Dolna-Gruber abschließend.

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