Elektrizitätswirtschaftsgesetz : Erste Branchenreaktionen auf neuen ElWG-Entwurf
Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) ist noch bis 18. August in Begutachtung.
- © peterschreiber.media - stock.adobeMit dem 4. Juli startete die vierwöchige Begutachtungsfrist für das lange erwartete, neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) nun zum zweiten Mal. Es soll das momentan geltende ElWOG aus 2010 ersetzen und spielt eine wichtige Rolle für die Rahmenbedingungen der Energiewende wie auch Versorgungssicherheit in Österreich. Während das zuständige Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus in einer Aussendung von faireren Preise und mehr Gerechtigkeit bei den Stromkosten, dem Stärken der Netzstabilität durch neue, intelligente Regeln für Einspeisung und Verbrauch sowie mehr Tempo für die Energiewende durch die Erleichterung des Ausbaus erneuerbarer Energien schreibt, äußern einige Branchenvertreter*innen auch Kritik.
Hauptkritikpunkte am Entwurf sind etwa die Netzgebühren für private Stromerzeuger, die geplante technische Begrenzung von Stromspitzen – also das Abregeln – bei Photovoltaik- und Windkraftanlagen, die Netzgebühren, die Erlösabschöpfung für Netzbetreiber und mehr. Elektropraxis hat die wichtigsten Einwände zusammengefasst.
>> Immer up to date mit Meinungen und News aus der Branche sein? Abonnieren Sie unseren Newsletter – mit uns bleiben Sie informiert!
Hier geht’s zur Anmeldung
-
IG Windkraft Österreich Florian Maringer, GeschäftsführerKritikpunkt: Spitzenkappung
„Die Spitzen, auf die sich diese Maßnahme bezieht, existieren in der Windkraft nicht. Speicher und hybride Kraftwerke sorgen zudem für gleichmäßigere Erzeugung. Mit einer willkürlichen Spitzenkappung verschenkt die Bundesregierung leistbaren Strom aus Windenergie zu Gunsten von teurem Gas. Im vergangenen Jahr wäre so Strom für 60.000 Haushalte vernichtet worden. Die Folge: Die Regierung steigert damit lediglich die Abhängigkeit von Öl- und Gasdiktaturen und verschärft die Achterbahnfahrt der Energiepreise."
-
Erneuerbare Energie Österreich Martina Prechtl-Grundnig, GeschäftsführerinKritikpunkt: Netzgebühren & Erlösabschöpfung
„Das erratische Vorgehen bei der Erlösabschöpfung setzt sich fort. Statt mit Unternehmen zu sprechen, wird, abgeschottet von der Wirtschaft, an weiteren Belastungen gefeilt: neue, international beispiellose Netztarife, fehlende Planungssicherheit, kein Schutz für bestehende Investitionen. All das macht den Ausbau erneuerbarer Energien nicht nur riskanter, sondern auch teurer. Und am Ende zahlen das die Konsumentinnen und Konsumenten. Das ist das Gegenteil von dem, was wir jetzt brauchen: nämlich den preisdämpfenden Ausbau erneuerbarer Energien und einen Strommarkt für Erneuerbare. Wer will, dass Strom in Österreich langfristig leistbar bleibt, muss an die Systemkosten ran – nicht an die Erzeuger. Und wer Investitionen will, muss Vertrauen schaffen – nicht zerstören.“
-
Austrian Power Grid Gerhard Christiner, VorstandssprecherKritikpunkt: /
„Das Gesetz schafft einen modernen Ordnungsrahmen für das Zusammenspiel aller Akteur*innen und bildet damit die notwendige Grundlage für die zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der gesamten Energiewirtschaft. Die neu geschaffenen Rahmenbedingungen ermöglichen die Integration erneuerbarer Energien, die Digitalisierung des Stromsystems und sind somit auch elementar für das Gelingen einer systemstabilen, effizienten und versorgungssicheren Energiewende. Aus Sicht der APG ist es wesentlich, dass das ElWG nach Abschluss der Begutachtung zeitnah im Nationalrat beschlossen wird, damit die notwendigen Maßnahmen möglichst bald in Wirkung kommen."
-
Oesterreichs Energie Barbara Schmidt, GeneralsekretärinKritikpunkt: Sozialtarif, Netzgebühren & Erlösabschöpfung
„Energiepolitik ist kein geeignetes Instrument zur Bewältigung sozialpolitischer Herausforderungen. Sie sollte sich auf das konzentrieren, was sie leisten kann: den Rahmen für ein leistungsfähiges, effizientes und zukunftssicheres Stromsystem schaffen. Denn im konsequenten und zügigen Umbau des Energiesystems liegt der Schlüssel zu einer langfristig sicheren, modernen und wettbewerbsfähigen Stromversorgung. Wir fordern nun einen Austausch mit den Expertinnen und Experten, einen Realitycheck der vorgeschlagenen Maßnahmen und einen zügigen Beschluss eines ausgewogenen Gesetzes."
-
Bundesverband Photovoltaic Austria Vera Immitzer, GeschäftsführerinKritikpunkt: Netzkosten für Erzeuger
„Anstatt die neuen Möglichkeiten des ElWG wirken zu lassen, wird jetzt schon mit der Kostenkeule zugeschlagen. Das Vorhaben, zusätzliche Netzentgelte für Einspeiser einzuführen, ist nicht nur äußerst kurzsichtig, sondern auch energiewirtschaftlich hochriskant. Flexibilitäten im Stromsystem, über deren Bedarf sich die gesamte Energiebranche einig ist, würden dadurch abgedreht werden. Wer soll noch Flexibilität bereitstellen, wenn genau das mit zusätzlichen Kosten bestraft wird?“
-
Kleinwasserkraft Österreich Paul Ablinger, GeschäftsführerKritikpunkt: Netzgebühren & Erlösabschöpfung
„Bereits jetzt zahlen unsere Kraftwerke hohe Anschlussgebühren und finanzieren so den Netzausbau. Systemleistungen, die sie für die heimischen Netze erbringen, werden mit rund 750 Millionen bewertet, aber nie abgegolten. Statt die heimische Erzeugung zu schwächen, müsste vielmehr die unsägliche G-Komponente, die Netzgebühren für größere Kraftwerke, endlich abgeschafft werden, sonst wird nur Stromimport gefördert, was erst wieder die Verbraucher*innen zahlen. Billiger wird es so nicht.
Ständig greift diese Regierung in bestehende Verträge und Kalkulationen ein. Mit der Umsatzabschöpfung, und jetzt mit den Netzgebühren – weitere Maßnahmen sind ebenfalls angedroht. Damit wird Unsicherheit bei Projektierern und finanzierenden Banken geschürt, was automatisch die Finanzierung und somit auch die heimische Stromproduktion verteuert.“
-
E-Control Wolfgang Urbantschitsch, VorstandKritikpunkt: Monatsrechnung für Endkund*innen
„Die Monatsrechnung als Standard ist in diesem Entwurf leider nicht enthalten. Dabei würde sie die Endkund*innen endlich in die Lage versetzen, einen exakten Überblick über ihren Stromverbrauch und die -kosten zu haben. Es bleibt zu hoffen, dass das neue Gesetz auch dazu genutzt wird, dass neben der Monatsrechnung als Standard auch andere wettbewerbsbelebende Maßnahmen, wie sie die E-Control und die BWB unlängst vorgeschlagen haben, im Gesetz zu finden sein werden und es zu einer raschen Umsetzung kommt. Nicht zuletzt ist das ElWG insgesamt eine wichtige Voraussetzung für die Transformation des Energiesystems.“