Analyse : Wie ein Ausbau an Batteriespeichern den Strompreis senken könnte
Trend nach oben, aber noch zu langsam: Zugebaute Batteriespeicher-Leistung in Österreich von 2021 bis 2025.
- © PV AustriaDie Photovoltaik hat sich in Österreich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Windkraft im letzten Jahr zur zweitwichtigsten erneuerbaren Stromquelle nach der Wasserkraft entwickelt. Rund 15 Prozent Anteil hält die Technologie aktuell am heimischen Stromverbrauch. Mit dem erfolgreichen PV-Ausbau wächst die Bedeutung von Flexibilitätslösungen, um die verfügbaren Strommengen auch bestmöglich zu nutzen und zeitlich bedarfsgerecht bereitzustellen.
Während an sonnigen Tagen oder Wochenenden mit geringerem Stromverbrauch mehr Sonnenstrom zur Verfügung steht als unmittelbar benötigt wird und die Strompreise bis in den negativen Bereich sinken, bleibt die Stromnachfrage in den Abendstunden hoch und muss bislang häufig durch teure, fossile Stromimporte gedeckt werden. Eine Analyse des Beratungsunternehmens Fingreen im Auftrag des Bundesverbands Photovoltaic Austria zeigt: Der gezielte Ausbau von Batteriespeichern kann heimisch erzeugten Sonnenstrom in die verbrauchsstarken und teuersten Abendstunden verschieben und damit die Strompreise nachhaltig senken. Denn in den letzten drei Jahren waren die Strompreise in den teuersten vier Abendstunden um durchschnittlich rund 70 Prozent höher als in den restlichen Stunden.
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Strombedarf von zwei Sommermonaten
Die Energiewende tritt in Österreich in eine neue Phase: Während der Ausbau der Photovoltaik in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen hat, rückt nun die Frage in den Mittelpunkt, wie der erzeugte Sonnenstrom optimal genutzt und zeitlich bedarfsgerecht bereitgestellt werden kann. Für PV Austria ist die Antwort darauf ganz klar der Batteriespeicher. „Der große Bonus für Österreich liegt in der Kombination aus netz- und gleichzeitig marktdienlicher Nutzung, statt einer Abregelung von Erzeugungsanlagen in Zeiten mit negativen Strompreisen“, schlussfolgert Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Verbands.
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Die Analyse unterlegt das mit Zahlen: Könnte Österreich seine aktuelle Batteriekapazität mit einem Schlag verfünffachen, wäre es schon heute möglich, an 60 Sommertagen den teuren Strombedarf in den Abendstunden mit überschüssigem PV-Strom zu decken. Der Strompreis könnte damit in den Abendstunden von 17 bis 21 Uhr, wo derzeit regelmäßig hohe Preisspitzen auftreten, gesenkt werden. „Mit dem Ausbau der Photovoltaik in Kombination mit Batteriespeichern können wir die teuren Preisspitzen in den Abendstunden glätten und alleine in den Sommermonaten Kosten in der Höhe von bis zu 150 Mio. Euro im Stromsystem einsparen, wobei hier verringerte Netzausbaukosten und Einsparungen bei den Redispatchkosten noch nicht eingerechnet sind“, erklärt Lukas Stühlinger, Autor der Analyse und Managing Partner bei Fingreen.
Ländervergleich mit Bulgarien
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt Österreich beim Batteriespeicherausbau zurück. So weisen Bulgarien und Österreich beispielsweise ein vergleichbares Verhältnis von Spitzenverbrauch zu installierter PV-Leistung auf – wenngleich die absoluten Zahlen n Bulgarien um rund 1/3 niedriger sind. Bulgarien verfügt aber über deutlich mehr, direkt ans Stromnetz angeschlossene Batteriespeicherleistung im Verhältnis zur installierten PV-Leistung als Österreich.
„Bulgarien hat bereits zahlreiche Groß-Batterieprojekte mit mehreren hunderten Megawattstunden umgesetzt. Durch den dortigen Batterieausbau sinken bereits an manchen Tagen die abendlichen Stromspitzen am Day-Ahead- und Intradaymarkt, da die Batterie-Flotte in diesen Stunden ausspeist und teure Stromquellen, v.a. Braunkohle, aus der Merit-Order drängt", schildert Raphaela Hein, Power Market Expert Enery und designiertes Vorstandsmitglied von PV Austria. Das sei insofern bemerkenswert, als dass Bulgarien einen deutlich höheren Anteil an fossiler Energie als Österreich habe, aber auch weil das Land stark am hohen rumänischen und griechischen Strompreis hängt.
Die Hauptrolle für den raschen Batteriespeicherhochlauf in Bulgarien spielten einheitliche Netzentgelte, die Speicher nur für die Eigenverluste zahlen, und das derzeitige Marktumfeld. Außerdem halfen staatliche Förderungen und die Bewilligung von Netzzugängen in der Nähe von Umspannwerken dem Ausbau.
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Fünf Maßnahmen für den Speicherausbau
Fingreen analysierte unterschiedlicher Betriebsweisen und leitete darauf aufbauend fünf Maßnahmen für den erfolgreichen Batterieausbau ab:
- Ausbau und Vereinfachung der EAG-Investitionsförderung für kleine Batteriespeicher bei neuen und bestehenden PV-Anlagen.
Damit kann der Eigenverbrauch optimiert und ein Mehrwert für das Gesamtsystem geschaffen werden. - Erhalt der EAG-Marktprämie für Photovoltaik-Strom, der zwischengespeichert und zeitversetzt ins Netz eingespeist wird.
Mit einer raschen Umsetzung der „Technischen und Organisatorischen Regeln (TOR) Messwesen“ können die energiewirtschaftliche Erfassung und Zuordnung der Strommengen klar geregelt werden. - Einführung einer Netzentgeltbefreiung für den Strombezug von Batteriespeichern aus dem öffentlichen Netz,
um deren Potenzial ganzjährig nutzen zu können. Dies sollte sowohl für Batteriespeicher direkt bei PV-Anlagen als auch für Stand-alone-Lösungen gelten und über die Systemnutzungsentgelte-Verordnung eindeutig geregelt werden. - Umfassende Daten und mehr Transparenz bei Netzbetreibern
über Flexibilitätsbedarf, Dauer von Netzeinschränkungen und verfügbare Netzkapazitäten. - Österreichweit einheitliche und vereinfachte Regelungen für die Nachrüstung von Batteriespeichern bei bestehenden PV-Anlagen,
um bestehende Stromerzeugungsanlagen ökonomisch optimal zu erweitern.