Elektrizitätswirtschaftsgesetz neu : ElWG bringt neue Rolle für Stromkund*innen

Renewable energy power distribution with house office factory buildings, solar panel plant station, wind and high voltage electricity grid pylons, electric transformer. Smart virtual battery storage.

Daniel Pölzlbauer, Geschäftsführer von EPP, erläutert in einem Fachartikel, wie sich die Rolle der Stromkund*innen mit dem neuen ElWG verändert.

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Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) wird der österreichische Strommarkt neu geordnet. Die Reform betrifft nicht mehr nur Energieversorger und Netzbetreiber, sondern rückt erstmals auch Haushalte und Unternehmen stärker in den Fokus. Insbesondere Besitzer*innen von Batteriespeichern erhalten neue Möglichkeiten, ihre Flexibilität wirtschaftlich zu nutzen. Gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an Technik, Verlässlichkeit und vertragliche Absicherung.

Stromkund*innen entwickeln sich damit vom passiven Verbraucher zu einem aktiven Bestandteil des Energiesystems. Doch nicht jede Anlage ist automatisch geeignet, und nicht jede Teilnahme lohnt sich gleichermaßen. 

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Ein System unter zunehmendem Druck

Das Stromnetz muss jederzeit stabil bleiben. Dafür ist es notwendig, dass Erzeugung und Verbrauch permanent im Gleichgewicht sind. In der Vergangenheit wurde diese Aufgabe vor allem durch große, zentral gesteuerte Kraftwerke erfüllt. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien wird diese Steuerung jedoch komplexer.

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Wind- und Sonnenstrom stehen nicht kontinuierlich zur Verfügung, sondern schwanken je nach Wetter und Tageszeit. Um diese Unterschiede auszugleichen, greift das Stromsystem auf Regelenergie zurück. Sie wird kurzfristig aktiviert, um Frequenzabweichungen auszugleichen und die Netzstabilität zu sichern.

Batteriespeicher als neue Flexibilitätsquelle

Bislang stammte Regelenergie überwiegend aus industriellen Anlagen oder Großkraftwerken. Das ElWG öffnet diesen Markt nun auch für dezentrale Lösungen. Batteriespeicher in Wohnhäusern oder Betrieben können künftig gebündelt und gezielt eingesetzt werden, um Ausgleichsleistungen zu erbringen.

Diese Bündelung erfolgt über sogenannte Aggregatoren. Sie fassen viele einzelne Speicher zusammen und stellen deren Flexibilität dem Netzbetreiber zur Verfügung. Für Stromkund*innen bedeutet das eine indirekte Teilnahme am Markt, ohne selbst operative Aufgaben übernehmen zu müssen.

Daniel Pölzlbauer, Ingenieur für Erneuerbare Energien und Elektrotechnik, ist Geschäftsführer der EPP GmbH in Aspang, Niederösterreich. Mit über 17 Jahren Erfahrung bietet das Familienunternehmen hochwertige Photovoltaiklösungen, Energiespeichersysteme und moderne Elektrotechnik. 

- © EPP GmbH

Mehr Möglichkeiten, mehr Verantwortung

Die Bereitstellung von Regelenergie ist mit klaren Verpflichtungen verbunden. Da sie für die Versorgungssicherheit zentral ist, gelten strenge Vorgaben hinsichtlich Reaktionszeit, Verfügbarkeit und Messgenauigkeit. Werden zugesagte Leistungen nicht eingehalten, können finanzielle Nachteile entstehen. Damit verlieren Stromkund*innen einen Teil ihrer bisherigen Entscheidungsfreiheit über den Einsatz ihres Speichers. Wer sich über einen Aggregator beteiligt, geht verbindliche Verpflichtungen ein, die technisch und vertraglich abgesichert sein müssen.

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Technische Grenzen sind entscheidend

Ob ein Speicher tatsächlich geeignet ist, hängt nicht nur von seiner Größe ab. Ausschlaggebend ist vor allem die abrufbare Leistung innerhalb kurzer Zeiträume. Viele Systeme – insbesondere im privaten Bereich – sind primär auf Eigenverbrauchsoptimierung ausgelegt und erfüllen diese Anforderungen nur eingeschränkt. Auch fehlende Schnittstellen oder unzureichend getestete Steuerungssysteme können eine Teilnahme verhindern. In solchen Fällen bleibt das wirtschaftliche Potenzial ungenutzt.

Zusatzerlöse mit Unsicherheiten

Grundsätzlich kann die Teilnahme am Regelenergiemarkt zusätzliche Einnahmen ermöglichen. Wie attraktiv diese ausfallen, hängt jedoch stark von Marktpreisen, Vertragsbedingungen und der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Speichers ab. Besonders für Unternehmen stellt sich die Frage, ob bestehende Investitionen langfristig flexibel genug sind.

Mit den möglichen Zusatzerlösen steigen auch die vertraglichen Anforderungen. Aggregatoren müssen ihre Verpflichtungen gegenüber Netzbetreibern absichern, was direkte Auswirkungen auf die Vertragsgestaltung mit Stromkund*innen hat. Entscheidend ist daher, welche Leistungszusagen vereinbart werden, wie Ausfälle geregelt sind und wer im Ernstfall haftet.

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Fazit: Chancen mit Augenmaß nutzen

Das ElWG eröffnet Stromkund*innen neue Handlungsspielräume, verlangt jedoch zugleich mehr Verantwortung. Wer die neuen Möglichkeiten nutzen möchte, sollte Technik und Verträge sorgfältig prüfen. Klar ist: Stromkund*innen werden zunehmend Teil eines vernetzten Energiesystems – mit Chancen, aber auch mit neuen Pflichten.

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