Energiepreise : Öl- und Gaskrise: Das Potenzial von Photovoltaik und Energiespeicher

Christoph Mair, Vorstandsmitglied von PV Austria, Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV Austria und Christoph Dolna-Gruber, Energieexperte der österreichischen Energieagentur (v.l.n.r.)

Christoph Mair, Vorstandsmitglied von PV Austria, Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV Austria und Christoph Dolna-Gruber, Energieexperte der österreichischen Energieagentur (v.l.n.r.)

- © Michael Hedl objektiv.gesehen

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren bestimmt geopolitisches Geschehen die Energieversorgung in Österreich. Nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine ist es jetzt der Krieg im Nahen Osten. In akuten Krisensituationen steht häufig eine Frage im Mittelpunkt: Was hätten wir besser machen können? 

Photovoltaic Austria liefert eine mögliche Antwort darauf: Die Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien, wie auch die Photovoltaik eine ist. Gemeinsam mit Christoph Dolna-Gruber, Energieexperte der österreichischen Energieagentur, stellte der Bundesverband im Vorfeld seines Photovoltaik-Kongresses klar: Öl- und Gaskrisen sind keine einmaligen Ereignisse, sondern systemisch. Auch kleine Länder wie Österreich haben Hebel in der Hand, um hier vorzusorgen. 

„PV Austria und seine über 450 Mitglieder stehen bereit, um die nächste Phase hin zu Österreichs Energieunabhängigkeit mitzugestalten. Dafür brauchen sowohl die Branche als auch die Bevölkerung Klarheit, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die kommenden Jahrzehnte aussehen werden“, betonte Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV Austria. Drei konkrete Maßnahmen wären dafür laut Verband notwendig: Das Ende 2025 verabschiedet ElWG sei mit Leben zu erfüllen und rasch umzusetzen, das EABG zu beschließen und eine österreichweite Speicheroffensive zu starten.

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In einer Welt volatiler Erzeugung ist die Kilowattstunde allein nicht mehr die entscheidende Größe.
Vera Immitzer, PV Austria

2025 weniger PV-Ausbau in Österreich

Der heimische PV-Ausbau schritt 2025 trotz unsicherer Rahmenbedingungen voran: So wurden im vergangenen Jahr österreichweit 62.300 neue PV-Anlagen in Betrieb genommen, was einer zusätzlichen Gesamtleistung von 1,6 Gigawatt entspricht. Nach den Rekordausbaujahren bedeutet dies jedoch einen Rückgang von 22 Prozent im Vergleich zu 2024, der stark aus dem Kleinanlagen-Bereich im Einfamilienhaus oder kleineren Betrieben stammte. Insgesamt werden jährlich rund 9,8 Terrawattstunden (TWh) Strom von PV-Anlagen erzeugt – das entspricht 15 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs. 

Die Zubauziele von 21 TWh bis 2030 und 41 TWh bis 2040 gemäß Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) seien laut PV Austria ambitioniert, aber eindeutig erreichbar – vorausgesetzt, die notwendigen Rahmenbedingungen stehen bereit. Besonders im Verbund von Photovoltaik und Batteriespeicher sieht der Branchenverband große Chancen, auch für die Entlastung der Stromnetze. 

Entscheidend sei es, Stromverbrauch und -erzeugung besser aufeinander abzustimmen: „In einer Welt volatiler Erzeugung ist die Kilowattstunde allein nicht mehr die entscheidende Größe. Der wahre Wert liegt darin, Energie genau dann bereitstellen zu können, wenn das System sie braucht“, schlussfolgerte Immitzer. 

Nach den Rekordausbaujahren bedeutet dies jedoch einen Rückgang von 22 Prozent im Vergleich zu 2024.

- © PV Austria
Öl, Kohle, Gas – Wir haben uns in der Vergangenheit angewöhnt, unsere Energieversorgung an andere Länder auszulagern.
Christoph Dolna-Gruber, AEA

Energieversorgung heimisch ansiedeln

Die Österreichische Energieagentur stuft die Bedeutung von PV und Stromspeicherung ebenfalls als unverzichtbar für eine umgehende Reduktion ausländischer Abhängigkeiten ein. „Öl, Kohle, Gas – Wir haben uns in der Vergangenheit angewöhnt, unsere Energieversorgung an andere Länder auszulagern. Wir haben damit auch die Kontrolle abgegeben, das bekommen wir aktuell wieder zu spüren“, fasste Energiexperte Christoph Dolna-Gruber die Situation zusammen. 

Die wirtschaftliche Komponente der PV und Stromspeicherung in der Energieversorgung ist weitreichend: Ist eine PV-Anlage erst mal installiert, läuft sie in der Regel über Jahrzehnte. Photovoltaik wirkt zudem als Dämpfer auf den Strompreis am Großhandelsmarkt, zeigt ein Blick auf die diesjährige Kalenderwoche 11 an der Strombörse. Denn: Mehr erneuerbarer Strom im System verringert die Zeiten, in denen Gas den Strompreis setzt.

Die Effekte steigen, wenn Stromproduktion mit Stromspeicherung oder auch Wärme und Mobilität verschränkt werden. „Wenn man es einfach sagen möchte: Wer ein Elektroauto hat, ist unabhängig von den Treibstoffpreisen. Wer ein Elektroauto und eine PV-Anlage hat, dem gehen zu einem großen Teil auch Strompreisentwicklungen nicht nahe“, so Dolna-Gruber. 

Photovoltaik wirkt zudem als Dämpfer auf den Strompreis am Großhandelsmarkt, zeigt ein Blick auf die diesjährige Kalenderwoche 11 an der Strombörse. 

- © Österreichische Energieagentur
Neun von zehn neuen PV-Anlagen werden mittlerweile mit einem Stromspeicher gebaut.
Christoph Mair, PV Austria

Photovoltaik und Speicher nur noch gemeinsam

PV und Stromspeichern als integrierte Systemlösung werden eine wichtige Rolle in der Strom- und Energiewende spielen, oder zukünftig laut Immitzer überhaupt nur noch „gemeinsam in Erscheinung treten". „Photovoltaik ist ausschlaggebend für Unabhängigkeit bei Strom, Wärme und Mobilität. Neun von zehn neuen PV-Anlagen werden mittlerweile mit einem Stromspeicher gebaut“, machte sich Christoph Mair, seit Februar Vorstandsmitglied von PV Austria und Bereichsleiter MEA Solar bei Eww Anlagentechnik, für eine Speicheroffensive stark. 

In Einfamilienhäusern ermöglichen moderne Batteriespeicher bereits heute Eigenverbrauchs- und Autarkiequoten von 60 bis 80 Prozent. Bei Betrieben sind vor allem die reduzierten Netzgebühren – auch in Zusammenhang mit E-Mobilität – ausschlaggebend für Investitionen. Auch Umsetzungszeiten haben sich laut PV Austria inzwischen verkürzt: Kleine PV-Speichersysteme sind innerhalb von sechs Wochen umgesetzt; größere innerhalb von 15 Wochen. 

Obwohl Photovoltaik als Technologie per se keine Förderung mehr nötig habe – hier kritisiert PV Austria mehr die unregelmäßige Ausschüttung von Fördergeldern – sei eine Beanreizung im Bereich der Speicher noch notwendig. In diesem Zusammenhang schwebten Mair etwa 30 Prozent Förderquote für Private, eine Netzgebührbefreiung für betriebliche Speichersysteme und Anreize für die Netzdienlichkeit vor.

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