Services und Tools für EEGs : Energie braucht Kooperation

Unverzichtbar für Energiegemeinschaften sind die vielen Auf-Dach-Anlagen von Privathaushalten.

Unverzichtbar für Energiegemeinschaften sind die vielen Auf-Dach-Anlagen von Privathaushalten.

 

- © Etech

Hinter den vielen Erneuerbare-Energiegemeinschaften im Land stehen oftmals engagierte Einzelpersonen. Im August 2023 wurde die EEG Kremsmauer im südlichen Oberösterreich gegründet. „Mittlerweile stehen wir bei 274 Mitgliedern bzw. Standorten, darunter drei Gemeinden und 17 Unternehmen“, erzählt Projektleiter Friedrich Pölz. Angebunden ist die EEG an das Umspannwerk Klaus. Das Einzugsgebiet umfasst damit die Gebiete von in Summe sechs Gemeinden.

Zu den Einspeisern zählen nebst 98 Photovoltaikanlagen auch drei Wasserkraftwerke – eine ebenso bewährte wie zukunftsträchtige Technologie zur Erzeugung von Grünstrom. „In benachbarten Molln betreibt ein Biohof nach wie vor eine Turbine aus dem Jahr 1936“, weiß Pölz.

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Seit Gründung unserer Energiegemeinschaft gab es nur zwei Ausstiege. Einmal, weil jemand weggezogen ist, das andere Mal hat ein EEG-Mitglied von drei Zählpunkten einen abgemeldet.
Friedrich Pölz, EEG Kremsmauer

Einmal EEG, immer EEG

Aus beruflichen Gründen war der Projektleiter jahrzehntelang in Linz zu Hause. Nach der Pension kehrte er in die Heimat zurück, die er durch sein Engagement für die regionale Energiewende neu kennen und schätzen gelernt hat: „Ich bin viel unterwegs. Sofern gewünscht oder erforderlich, unterstütze ich auch bei der Anmeldung oder rechne für potenzielle Neuzugänge die voraussichtliche Kostenersparnis aus.“

Diese verdeutlicht er an einem Beispiel: 

Ein Haushalt mit einem Jahresbedarf von 3.500 Kilowattstunden erspart sich als EEG-Kremsmauer-Mitglied gegenwärtig rund 360 Euro im Jahr (bei einem angenommenen Arbeitspreis von 21,78 Cent und einem EEG-Tarif von 9,58 Cent je Kilowattstunde sowie einem EEG-Bezug von 60 Prozent des Gesamtbedarfs). 

„Damit wird man nicht reich, aber man tut das Richtige und spart Geld dabei.“ Bei voller Wasserkraft ist die Energiegemeinschaft in einzelnen Wochen des Jahres zu 100 Prozent autark. Im April 2025 lag der Autarkiegrad bei knapp 80, im Mai bei 72 Prozent. Wer einmal von den Vorzügen einer EEG überzeugt ist, der bleibt auch dabei, sagt Pölz: „Seit Gründung unserer Energiegemeinschaft gab es nur zwei Ausstiege. Einmal, weil jemand weggezogen ist, das andere Mal hat ein EEG-Mitglied von drei Zählpunkten einen abgemeldet.“

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Das Wasserkraftwerk versorgt nicht nur die Fürstlich Schaumburg-Lippische-Forstverwaltung, sondern auch Abnehmer der EEG Kremsmauer mit Strom.
Das Wasserkraftwerk versorgt nicht nur die Fürstlich Schaumburg-Lippische-Forstverwaltung, sondern auch Abnehmer der EEG Kremsmauer mit Strom. - © EEG Kremsmauer

Energiemanagement inklusive KI-Service

Den Start erleichterte der heimische Dienstleister neoom, mit dem die oberösterreichische Energiegemeinschaft bis heute zusammenarbeitet. Das Unternehmen mit Sitz in Freistadt kümmert sich unter anderem um die Organisation und Abwicklung von Erneuerbare-Energiegemeinschaften und Bürgergemeinschaften – bis hin zur Anberaumung regelmäßiger Sitzungen und zur Erstellung von Protokollen. Auch die Abrechnungen werden automatisiert erstellt. 

Aktuelle Berichte über Erzeugung und Bezug finden sich stets aktuell auf der neoom-App. Diese beinhaltet mehrere Tools: Mit Connect lässt sich das Energiesystem steuern und der Energiefluss lenken. Griid nutzt den Preisvorteil dynamischer Stromtarife in Verbindung mit dem Elektroauto oder einem Stromspeicher. Neu ist Connect Ai, dank der KI-gestützten Weiterentwicklung lernt das Energiemanagement vom Nutzerverhalten unter Einbeziehung der aktuellen Strompreise, der Wetterprognose sowie – daraus resultierend – der voraussichtlichen PV-Produktion.

Gezielte Akquise von Teilnehmern

Künstliche Intelligenz nutzt auch die in Klagenfurt beheimatete Solar Union Austria. Mit ihrer Hilfe werden österreichweit die Potenziale für die Gründung von Energiegemeinschaften identifiziert. Die Technologie ermöglicht es, bestehende Infrastruktur zu evaluieren und beispielsweise gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA) zu bewerten. Ein- und Mehrparteienhäuser werden anhand einer detaillierten Matrix geprüft, um eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle gemeinschaftliche Nutzung der Energie sicherzustellen.

Angestrebt sind eine einheitliche Struktur und Preisfindung für Energiegemeinschaften. „Die heimischen Energiegemeinschaften arbeiten mit unterschiedlichen Statuten, Preisen und größtenteils manuellen Abrechnungen“, so Benjamin Kuschnig. „Wir bieten die umfassende Lösung zur Standardisierung und Optimierung dieser Prozesse“, sagt der Vorstand von Solar Union Austria. Die Solar Union setzt auf gezielte Akquise von Haushalten und Unternehmen für die Teilnahme an Energiegemeinschaften. Gemeinsam mit dem Kompetenzpartner enixi werden vollautomatisiert digitale Abrechnungen erstellt.

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Widmet sich unter anderem der KI-gestützten Potenzialanalyse von Energiegemeinschaften: die Klagenfurter Solar Union Austria.
Widmet sich unter anderem der KI-gestützten Potenzialanalyse von Energiegemeinschaften: die Klagenfurter Solar Union Austria. - © Solar Union Austria

Allround-Tool für EEG

Über die Entwicklung vom klassischen Multi-Utility-Konzern zum Green-Tech-Unternehmen im Energiesektor referierte Kristijan Jarc Anfang Juli auf der „Air Salzburg“, wo hochkarätige Vortragende das Dreigespann aus Künstlicher Intelligenz, digitaler Innovation und Robotik behandelten. Thema der Keynote des Chief Digital Officers der Salzburg AG und Chefs des enox-Teams: „Alien Nation – auf dem Weg zum Internet der Energie“.

Eine leistungsfähige Lösung für Energiegemeinschaften bietet das Unternehmen mit enox.share. Damit wird das Verwalten, Abrechnen und Optimieren von Energiegemeinschaften wesentlich erleichtert. Das Tool passt sich den unterschiedlichen Anforderungen gemeinschaftlicher Erzeugungsanlagen wie auch von Bürger- und Erneuerbare-Energiegemeinschaften an.

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Bereits integriert sind alle relevanten Prozesse des energiewirtschaftlichen Datenaustauschs (EDA). Einschränkungen gibt es wieder bei der Anzahl der Mitglieder bzw. Zählpunkte, noch beim Datenaustauschvolumen. Nutzbar und rund um die Uhr zugänglich ist das Tool über eine praktische Web-App. Rechnungen und Gutschriften werden auf Knopfdruck erstellt – inklusive persönlicher Adresse, Steuersatz und Tarif. Energiedaten werden vor der Abrechnung überprüft, um sicherzustellen, dass sie in geeigneter Qualität vorliegen. 

Einfach und übersichtlich erfolgt auch die Mitgliederverwaltung. Die neuesten Energiedaten sind in enox.share verfügbar, sobald sie vom Netzbetreiber bereitgestellt werden. Administratoren erhalten eine leicht verständliche Übersicht über die Energiedaten auf Gemeinschaftsebene. Mitglieder wiederum können ihre eigenen Energiedaten zentral einsehen.

Kristijan Jarc, Chief Digital Officer bei der Salzburg AG
Über den Weg zum „Internet der Energie“ sprach Kristijan Jarc, Chief Digital Officer der Salzburg AG, kürzlich auf der „Air Salzburg“. - © enox.energy

Präsentierten eine völlig neuartige Kooperation für Energiegemeinschaften und E-Auto-Fahrer: Ernst Kloboucnik vom ÖAMTC Wien/Niederösterreich/Burgenland und Eva Fugger von Raiffeisen Burgenland.

- © ÖAMTC/APA/Ben Leitner

Mit Genossenschaft zur Gemeinschaft

Als Genossenschaften haben die Raiffeisen-Organisationen ein natürliches Naheverhältnis zur Gründung von Energiegemeinschaften. Gegründet wurden EEG von Seiten der Giebelkreuzler mittlerweile in großer Zahl überall im Land. Gleich zwei Neugründungen erfolgten etwa jüngst im niederösterreichischen Vitis. Der Grund: Die Einwohner der Waldviertler Gemeinde liegen an zwei Umspannwerken (Gmünd und Waidhofen an der Thaya). Beide Erneuerbare-Energiegemeinschaften haben denselben Vorstand.

„Das Thema Energie und die Kosten dafür sind allgegenwärtig“, erklärt Raiffeisenbank-Obmann Rainer Liebscher. „Entsprechend groß war die Resonanz bei einer Online-Befragung und einer Infoveranstaltung im Vorfeld.“ Ein einmaliger Geschäftsanteil von 10 Euro genügt, um beizutreten. Die Bank unterstützt nicht nur die Gründungskosten, sondern stellt auch ihre Infrastruktur, wie etwa den Sitzungssaal, für die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder zur Verfügung.

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Im Burgenland startete eine Mobilitätspartnerschaft zwischen Raiffeisen, Siemens und dem ÖAMTC, durch die an öffentlichen Ladestationen Strom von Raiffeisen-Energiegenossenschaften bezogen werden kann. Inzwischen wird das Konzept auch in anderen Bundesländern ausgerollt. Beim Laden gelten die ePower-Tarife des ÖAMTC mit einem zusätzlichen Bonus: Mitglieder lokaler Raiffeisen-Energiegemeinschaften profitieren von bis zu 30 Prozent, Mitglieder von Bürgerenergiegemeinschaften von bis zu 20 Prozent Ersparnis.

Wesentlicher Bestandteil der Raiffeisen-Energiegemeinschaften ist die team4energy-Plattform von der schneemann.energy group. „Mit der nun realisierten Funktion schaffen wir nicht nur die Kopplung der beiden Sektoren Strom und Mobilität, sondern vor allem einen Mehrwert für EEG-Mitglieder, Betreiber von Ladeinfrastruktur und Elektroauto-Fahrer“, ist Geschäftsführer Andreas Schneemann als Kooperationspartner der Ladeinitiative überzeugt.

Andreas Schneemann (schneemann.energy group): „Unsere Plattform ermöglicht die vollautomatische digitale Abrechnung von Energiegemeinschaften.“
Andreas Schneemann (schneemann.energy group): „Unsere Plattform ermöglicht die vollautomatische digitale Abrechnung von Energiegemeinschaften.“ - © ÖAMTC/APA/Ben Leitner